Energieeffizienz von Produkten

Umweltfreundliche Produkte leisten einen wichtigen Beitrag eine bessere Energieeffizienz für Umwelt und Industrie; Quelle: Fotolia/Black Jack
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Energieverbrauchskennzeichnung von neuen Produkten

Rahmenrichtlinie über die europaweit einheitliche Energieverbrauchskennzeichnung von Produkten

Farbige Effizienzskalen machen den Energieverbrauch von Produkten sichtbar und erleichtern es Kunden europaweit, beim Kauf energieeffiziente Produkte zu wählen. Gleichzeitig sorgen die Effizienzskalen für mehr Wettbewerb zwischen den Herstellern, da potenzielle Kunden die angezeigte Energieeffizienz von Geräten bei der Kaufentscheidung stärker berücksichtigen.

Die Europäische Union legt bei der Vergabe von Effizienzklassen den europaweit einheitlichen Rahmen fest. Zentral ist dabei die EU-Rahmenrichtlinie 2010/30/EU (PDF: 798 KB) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Mai 2010 über die "Angabe des Verbrauchs an Energie und anderen Ressourcen durch energieverbrauchsrelevante Produkte mittels einheitlicher Etiketten und Produktinformationen".

Der Anwendungsbereich der Richtlinie umfasst alle energieverbrauchsrelevanten Produkte. Damit sind nicht nur Haushaltsgeräte gemeint, sondern auch Produkte für gewerbliche Anwendungen (z. B. Gewerbeöfen für Speisen) sowie Produkte, die zwar selber keine Energie verbrauchen, jedoch maßgeblichen Einfluss auf den Energieverbrauch haben (z. B. Wärmeschutzfenster).

EU-Energielabel
EU-Energielabel
© Europäische Kommission

Gestaltung des EU-Effizienzlabels

Das EU-Effizienzlabel (PDF: 240 KB) ist meist auf sieben Energieeffizienzklassen (A bis G) beschränkt. Oberhalb der Skala A (sehr effizient) können bei entsprechendem, technischem Fortschritt eines Gerätes noch drei weitere Klassen (A+, A++, A+++) gewählt werden.

Das Energieeffizienzlabel gilt europaweit einheitlich und ist sprachenneutral. Neben der Energieeffizienzklasse enthält es auch Informationen über den jährlichen Energieverbrauch des Gerätes und weitere produktspezifische Daten (beispielsweise den Wasserverbrauch und die Schleuderwirkung von Waschmaschinen).

Produktspezifische Rechtsakte auf europäischer Ebene

Auf Basis der EU-Rahmenrichtlinie werden produktspezifische EU-Verordnungen erlassen. Diese Verordnungen der Europäischen Kommission sind unmittelbar gültig und für die jeweiligen Händler und Hersteller in der EU verbindlich. Derzeit sind Verordnungen für 16 Produktgruppen in Kraft. Einen Überblick über diese sowie die Gesamtzahl der im Verfahren der Europäischen Kommission befindlichen Produktgruppen kann auf der Seite der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) abgerufen werden. Als neueste Produktgruppe wurden Heizgeräte und Warmwasserbereiter in die Verordnung aufgenommen.

EU-Energielabel für Heizgeräte und Warmwasserbereiter

Der Effizienzkennzeichnung von Heizgeräten und Warmwasserbereitern kommt besondere Bedeutung zu. Je nach Geräteeffizienz können Heizen und Warmwasserbereitung einen besonders großen Energieverbrauch verursachen und erheblich zur Emission von Treibhausgasen beitragen. Um dem vorzubeugen, werden seit dem 26. September 2015 per EU-Effizienzlabel die Effizienzklassen von neuen Raum- und Kombiheizgeräten sowie von Warmwasserbereitern und -speichern ausgewiesen. So können Verbraucher mit der Wahl eines effizienten Neugerätes nicht nur den Energieverbrauch entscheidend reduzieren, sondern auch Geld sparen.

Die Labels sind mit der bekannten, farbigen Balkenskala von G bis A++ bedruckt und müssen die Effizienzklassen folgender Geräte ausweisen:

  • Raumheizgeräte, die Raumwärme für die Zentralheizung erzeugen - zum Beispiel Gaskessel, Wärmepumpen und Blockheizkraftwerke,

  • alle Kombiheizgeräte, die zusätzlich Wasser erwärmen, sowie

  • Warmwasserbereiter, also Durchlauferhitzer und Boiler.

  • Darüber hinaus gilt die neue Kennzeichnungspflicht auch für Warmwasserspeicher mit bis zu 500 Litern Fassungsvermögen.

Auf dem Label ist auch die Nennleistung bzw. der Energieverbrauch pro Jahr und die Geräuschentwicklung (in Dezibel) verzeichnet. Die Klassifizierung macht die Geräte vergleichbar und hilft beim Kauf, energieeffiziente Geräte zu erkennen. Kaufentscheidungen werden in Zukunft auch von der Energieeffizienz der Geräte bestimmt, was auf Herstellerseite den Wettbewerb verschärft. Dadurch kann der Energieverbrauch in Europa deutlich gesenkt werden. Für zusätzliche Energieeffizienz werden alte Heizgeräte und Warmwasserbereiter in Deutschland seit dem 1. Januar 2016 auch mit dem Nationalen Effizienzlabel für Heizungsaltanlagen markiert.

Novellierung der EU-Energielabel-Verordnung

Um die Wirksamkeit der EU-Energieverbrauchskennzeichnung auch in Zukunft zu gewährleisten, verabschiedeten die EU-Energieminister am 26. November 2015 in Brüssel eine Reform zur EU-Energielabel-Verordnung. Durch die Novelle sollen Aussagekraft und Transparenz des Labels für Verbraucher auch in Zukunft gewährleistet bleiben. Deutschland setzte sich im Rahmen der Erneuerung mit Erfolg für eine Rückkehr zu klaren Effizienzklassen von A bis G und für den Aufbau einer Produktdatenbank ein. Durch Letztere sollen Verbraucher noch mehr Transparenz bekommen und die Marktüberwachung erleichtert werden. Die Effizienzfortschritte einiger Produktgruppen (zum Beispiel Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kühl-/Gefriergeräte) hatten eine Reform notwendig gemacht, da viele von ihnen bereits die höchste Effizienzklasse von "A+++" erreicht hatten. Die energieeffizientesten Geräte werden nach der Novelle höchstens mit "B" ausgezeichnet, damit wieder Spielraum für Fortschritte entsteht.

Umsetzung der Rahmenrichtlinie in deutsches Recht

In Deutschland wurde die EU-Rahmenrichtlinie zur Energieverbrauchskennzeichnung von Produkten mit der Neufassung des Energieverbrauchskennzeichnungsgesetzes (EnVKG) und mit der Novellierung der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (EnVKV) umgesetzt. Beide Vorschriften sind am 17. Mai 2012 in Kraft getreten (BGBl. I S. 1070).

Ziel dieser beiden Umsetzungsakte ist es, die Marktüberwachung der Produktkennzeichnung zu verbessern. Dies geschieht durch die Erweiterung der Vollzugsbefugnisse und -pflichten der Länder in der Marktüberwachung in Übereinstimmung mit der Verordnung (EG) Nr. 765/2008. Eine gut funktionierende Marktüberwachung sichert die Wettbewerbsgleichheit zwischen den Unternehmen und sorgt für korrekte Verbraucherinformationen.

Für welche konkreten Produktgruppen das EU-Effizienzlabel gilt, ergibt sich aus den produktspezifischen Rechtsakten der EU-Kommission. Hier ist auch festgelegt, ab wann für die einzelnen Produktgruppen die Pflichten für Hersteller und Händler greifen und welche Übergangsbestimmungen gelten.

Nationales Effizienzlabel für Heizungsaltanlagen

Das Nationale Effizienzlabel für Heizungsaltanlagen soll die Kenntnisse von Verbrauchern über den Zustand ihres Heizkessels verbessern. Damit soll die Motivation zum Austausch ihres alten Kessels erhöht werden. Mit der Labelvergabe wird nicht nur über die Effizienz des Heizkessels informiert: Verbraucher werden auch auf weiter gehende Energieberatungen wie z. B. die Vor-Ort-Beratung und auf Förderungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hingewiesen.