Interview

"Die Reeder müssen jetzt liefern"

Bilanz der Nationalen Maritimen Konferenz: Koordinator Uwe Beckmeyer fordert mehr Einsatz für die deutsche Flagge

Datum: 21.10.2015

NZ: Herr Beckmeyer, Sie haben die 9. Nationale Maritime Konferenz in Ihrer Heimatstadt Bremerhaven erlebt - was nehmen die Besucher denn mit aus der Seestadt?

Uwe Beckmeyer: Wir haben hier ein eine sehr gelungene Konferenz abgeliefert - ich habe bisher viele positive Rückmeldungen bekommen. Wir haben die Branchen ermutigt sich einzubringen, und das haben sie auch getan. Was die Gäste mitnehmen? Viel Input und interessante Diskussionen. Es hat alles gepasst. Der Abendempfang im Kreuzfahrtterminal und der Besuch an Bord des Kreuzfahrtschiff "Norwegian Escape" waren Glanzlichter. So etwas gab es auf dieser Konferenz noch nie.

NZ: Verwaltung, Politik, Militär, Wirtschaft, Wissenschaft - die 800 Besucher der Konferenz kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Gibt es da überhaupt genügend gemeinsame Nenner, um zu einem Ergebnis zu kommen?

Uwe Beckmeyer: Ich denke schon. Wir haben herausgearbeitet, dass wir gerade im maritimen Bereich strategische Kooperationen schließen müssen. Das ist leistbar. Offshore-Windkraft, Werften, Zuliefererindustrie - da gibt es viele Gemeinsamkeiten, da sind Synergien möglich.

NZ: Die Regierung macht sich dafür stark, die Zahl deutscher Seeleute an Bord weiter zu reduzieren - begeben Sie sich damit nicht auf Konfrontationskurs mit den Gewerkschaften?

Uwe Beckmeyer: Wir haben die klare Erwartung formuliert, dass sich auch Reeder und Gewerkschaften bewegen müssen. Es gab schon mehrere Gesprächsrunden, aber noch kein Resultat. Das ist außerordentlich bedauerlich. Denn der Bund hat zum Beispiel mit Erleichterungen bei Versicherungs- und der Lohnsteuer Leistungen erbracht, damit deutsche Reeder keine Wettbewerbsnachteile erleiden.

NZ: Trotzdem lassen nach wie vor immer mehr Reeder ihre Schiffe in Staaten registrieren, wo Sozialabgaben niedriger sind - verfehlen die Subventionsanstrengungen nicht ihre Wirkung?

Uwe Beckmeyer: Den Punkt sehe ich noch nicht. Aber klar ist auch: wir müssen weiter vorankommen, denn es gibt in der Tat Wettbewerbsverzerrungen, die wir beseitigen wollen. Außerdem wollen wir die seemännische und technische Ausbildung in Deutschland stärken. Reeder und Gewerkschaften haben jetzt noch eine gute Chance, sich zusammenzuraufen.

NZ: Die Reeder bekommen mehr Subventionen, die Offshore-Windenergie weniger. Wie passt das zusammen?

Uwe Beckmeyer: Das Erneuerbare-Energie-Gesetz sieht einen staatlich garantierten Preis für die Kilowattstunde vor. Am Ende bezahlen das die Stromkunden das. Wenn wir nun den Ausbau der Offshore-Windenergie unbegrenzt fördern, würde das den Strompreis nach oben treiben und damit auch die Wirtschaft belasten würde.

NZ: Gibt es denn einen Mittelweg?

Uwe Beckmeyer: Die Bundeskanzlerin hat es gesagt: Wir wollen keinen Fadenriss und müssen zugleich den Strompreis stabilisieren. Wenn die Offshore-Windenergie es schafft, den Preis für die Kilowattstunde durch stärkere Industrialisierung und Verbesserung der logistischen Abläufe unter zehn Cent zu senken, dann haben wir eine sehr gute Situation: niedrige Kosten, Volllastfähigkeit, dazu neue Arbeitsplätze an der Küste und die Akzeptanz der Bevölkerung.

NZ: Hat sich die Branche denn bereits von dem zeitweiligen Auftragseinbruch erholt?

Uwe Beckmeyer: Nehmen wie den Turbinenbauer Adwen im Fischereihafen: Diese planen zurzeit eine Acht-Megawatt-Anlage und haben in unserem Haus Forschungs-Fördermittel beantragt. Adwen will hier und vielleicht auch in Norwegen Prototypen aufstellen. Daran merkt man: Das Unternehmen bringt sich ein und will den Standort Bremerhaven zu stärken.

NZ: Die Bundesrepublik hat den Bau neuer Kriegsschiffe international ausgeschrieben. Das sorgte auf der Konferenz für Irritation. Werden die deutschen Werften durch solch eine Entscheidung nicht geschwächt?

Uwe Beckmeyer: Diese Entscheidung hat nicht das Wirtschaftsministerium getroffen, sondern das Verteidigungsministerium. Wir haben deutlich gemacht, dass wir dazu eine andere Haltung haben.

NZ: Welche denn?

Uwe Beckmeyer: Dass wir beim ressortübergreifenden Dialog über die Weiterentwicklung der Verteidigungsindustrie regelmäßig die Prüfung des Begriffs Schlüsseltechnologie wünschen. Das bedeutet also, dass wir die Entscheidung nochmal überdenken.

NZ: Was sagt das Verteidigungsministerium dazu?

Uwe Beckmeyer: Ich habe zumindest keinen Widerspruch gehört.

NZ: Wie verhalten sich die deutschen Werften?

Uwe Beckmeyer: Ich kenne mindestens drei deutsche Konsortien, die Interesse an dem Bau und sicher auch gute Chancen haben.

Quelle: NZ, 21. Oktober 2015

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