Pressemitteilung
26.1.2016

Gleicke: Abwanderung aus Ostdeutschland gestoppt - der Erfolg der Städte darf nicht über die Probleme der ländlichen Regionen hinwegtäuschen

Die Parlamentarische Staatssekretärin Iris Gleicke und der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Dr. Reiner Klingholz; Quelle: BMWi/Andreas Mertens
Die Parlamentarische Staatssekretärin Iris Gleicke und der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Dr. Reiner Klingholz
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© BMWi/Andreas Mertens

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Iris Gleicke, und der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Dr. Reiner Klingholz, stellen heute die Ergebnisse der Studie "Im Osten auf Wanderschaft - Wie Umzüge die demografische Landkarte zwischen Rügen und Erzgebirge verändern" vor.

Iris Gleicke: "Nach der massiven Abwanderung von Ost nach West in den 1990er Jahren sind im Jahr 2012 erstmals insgesamt mehr Menschen nach Ostdeutschland gezogen als von dort weg. Aber nur für die wenigsten ostdeutschen Regionen bedeutet das wirklich die lang ersehnte Trendwende, wie die Studie völlig zu Recht feststellt. Der Erfolg der ostdeutschen Städte darf nicht über die Probleme der ländlichen Regionen hinwegtäuschen. Vor allem auf dem Land kämpfen viele Kommunen weiterhin mit dem demografischen Wandel. Denn während im Westen erst 2060 jeder Dritte über 64 Jahre alt sein wird, wird dies im Osten schon 2030 der Fall sein. Auch wenn die Zuwanderung diesen demografischen Wandel nicht aufhalten kann, ist sie für Ostdeutschland besonders wichtig. Wir brauchen vor allem auch junge Menschen in der Wirtschaft, in der Wissenschaft und künftig auch stärker im Pflegebereich."

Die wachsende Attraktivität der ostdeutschen Städte und die gute Hochschullandschaft ziehen immer mehr Menschen aus dem Ausland, den westlichen Bundesländern und nicht zuletzt auch aus den ländlichen Regionen Ostdeutschlands an. Insbesondere Leuchttürme wie Leipzig, Dresden, Jena, Erfurt und Potsdam hätten sich zu wahren Magneten entwickelt, "ein Erfolg der Städtebauförderung und der Investitionen in den Hochschulstandort Ostdeutschland", so Iris Gleicke. Diese erfreuliche Entwicklung dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutliche Mehrzahl der ostdeutschen Städte und Dörfer sich weiter auf Schrumpfkurs befinde.

"Das Wachstum der erfolgreichen Städte geht somit zu Lasten der ländlichen Gebiete", erklärt Reiner Klingholz. "Die regionalen Unterschiede werden größer und die Versorgung in den dünnbesiedelten Regionen, die weiter Bevölkerung verlieren, wird schwieriger. Alle Versuche, diesem Trend entgegenzusteuern, sind bisher gescheitert."

Iris Gleicke wiederholt angesichts des kritischen Befundes der Autoren ihre Forderung nach einer gezielten Förderung der strukturschwachen Regionen in Ost- und West für die Zeit nach dem Auslaufen des Solidarpaktes II. Auch pfiffige Lösungen zur Daseinsvorsorge wie mobile Medizindienste und kombinierte Nahverkehrsangebote sowie Projekte wie zum Beispiel das zur "Förderung des Kulturtourismus im ländlichen Raum" seien wichtig, um dort die Lebensqualität zu erhalten und den Zusammenhalt vor Ort zu stärken.

Die Studie analysiert die Zu- und Fortzüge von 2.695 ostdeutschen Gemeinden (ohne Berlin) für die fünf wichtigsten Altersgruppen zwischen 2008 und 2013 und geht den Fragen nach: Wer zieht warum wohin? Welche Herausforderungen ergeben sich für die Wegzugsregionen? Was kann man tun?

Die Studie wurde von der Ostbeauftragten gefördert und ist auf der Internetseite des Berlin-Instituts abrufbar.

Weitere Informationen der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer finden Sie unter www.beauftragte-neue-laender.de.

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