Pressemitteilung
12.8.2015

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im August 2015

Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage; Quelle: iStockphoto.com/blackred
© iStockphoto.com/ blackred
  • Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Sommer in einem soliden Aufschwung.

  • Die Weltwirtschaft hat im laufenden Jahr noch wenig Dynamik entfaltet. Die Erholung im Euroraum setzt sich aber mit moderatem Tempo fort.

  • Die Industriekonjunktur entwickelt sich moderat positiv. Im Bausektor gab es nach dem starken Jahresauftakt einen Dämpfer. Die Bestellungen deuten auf eine solide Grunddynamik der deutschen Wirtschaft hin.

  • Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter günstig, jedoch mit nunmehr gedämpfter Dynamik.

Die Konjunktur in Deutschland ist im Sommer weiterhin solide aufwärtsgerichtet. [1] Vor allem im Bereich der Dienstleistungen wird die wirtschaftliche Leistung kontinuierlich ausgeweitet. In der Industrie entwickelt sich die Produktion trotz einer Abschwächung im Juni in der Tendenz moderat positiv. Demgegenüber war die Produktion im Baugewerbe im zweiten Quartal rückläufig. Eine verlässliche konjunkturelle Stütze bleibt auf der binnenwirtschaftlichen Seite der private Konsum. Der solide Arbeitsmarkt und die gute reale Einkommensentwicklung sorgen für ein freundliches Konsumumfeld. Die Investitionstätigkeit im Inland dürfte hingegen den Indikatoren zufolge eher zurückhaltend gewesen sein. Gestützt durch die moderate Erholung im Euroraum und die hohe preisliche Wettbewerbsfähigkeit wurden im zweiten Quartal die Ausfuhren stärker ausgeweitet als die Einfuhren. Unter dem Strich dürfte die gesamtwirtschaftliche Leistung im Frühjahr daher erneut spürbar zugenommen haben.

Die Stimmung in den Unternehmen ist weiterhin gut und stabil. Unsicherheitsfaktoren wie etwa der Fortgang der griechischen Krise oder die Volatilität des chinesischen Aktienmarkts haben keinen Stimmungsumschwung ausgelöst. Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft erscheint im Sommer gefestigt.

Das Wachstum der Weltwirtschaft setzt sich mit gemäßigtem Tempo fort. Die weltweite Industrieproduktion hat sich nach einem schwachen Jahresbeginn zwar stabilisiert, aber bis einschließlich Mai noch nicht wieder Fahrt aufgenommen. Während die Industrieproduktion in den Schwellenländern an ihren bisherigen Wachstumspfad nahezu anknüpfen konnte, schwächte sie sich in den entwickelten Volkswirtschaften zuletzt etwas ab. In den Vereinigten Staaten und in Großbritannien hat das Wachstum z. B. gemessen an den Frühindikatoren der OECD zuletzt etwas an Momentum eingebüßt. In der Eurozone scheint sich die moderate konjunkturelle Erholung ebenso wie in Japan fortzusetzen. Die Wirtschaft der rohstoffreichen Schwellenländer wie Russland oder Brasilien leidet nach wie vor unter den niedrigen Rohstoffpreisen. Die chinesische Wirtschaft ist anscheinend auf der Suche nach einem dynamischen, aber auch nachhaltigeren Wachstum. Unter dem Strich sorgen die niedrigen Ölpreise und die weltweit akkommodierende Geldpolitik in der Weltwirtschaft insgesamt nach wie vor für Impulse. Im weiteren Verlauf sollte sich das globale Wirtschaftswachstum daher etwas beschleunigen.

Die deutschen Unternehmen haben ihre Warenausfuhren im zweiten Quartal kräftig ausgeweitet. Im Vergleich zum Vorquartal sind die nominalen Ausfuhren um 3,6 % gestiegen. Die Ausfuhrpreise sind zuletzt nach einem kräftigen Anstieg seit Beginn des Jahres weitgehend unverändert, sodass sich auch preisbereinigt ein deutlicher Zuwachs der Warenausfuhren ergeben dürfte. Die nominalen Wareneinfuhren sind im zweiten Quartal ebenfalls höher ausgefallen als im Vorquartal, wenn auch mit 1,6 % weniger stark als die Ausfuhren. Die Einfuhrpreise waren zuletzt rückläufig. Im zweiten Quartal dürften vom Außenhandel positive Impulse für das Wirtschaftswachstum ausgegangen sein.

In der Industrie setzen sich die moderat positiven konjunkturellen Tendenzen fort. Im Juni ging die Industrieproduktion zwar recht deutlich um 1,3 % zurück. Hierzu trugen aber auch Brückentagseffekte bei. Aufgrund der Zuwächse in den beiden Vormonaten ergab sich für das Gesamtquartal im Durchschnitt noch ein leichtes Produktionsplus von 0,2 %. Die Dynamik fiel somit ähnlich stark aus wie im ersten Quartal. Ihre Umsätze konnte die Industrie im Frühjahr deutlich stärker um 0,7 % ausweiten. Dabei kamen die Impulse hauptsächlich aus dem Ausland (+1,5 %), während das Inlandsgeschäft nahezu stagnierte (+0,1 %). Dies deutet darauf hin, dass die gute Nachfrage aus dem Ausland zumindest teilweise aus dem Lagerbestand bedient wurde. Ein noch günstigeres Bild zeigt sich bei den Bestellungen. Die Auftragseingänge erhöhten sich, bei einem kräftigen Auftragsplus im Juni um 2,0 %, im gesamten zweiten Vierteljahr kräftig um 3,0 %. Auch hier kamen die Impulse ausschließlich aus dem Ausland. Angesichts der positiven Nachfrageentwicklung, die sich auch in einem insgesamt guten Geschäftsklima der Unternehmen widerspiegelt, dürfte sich der moderat positive Trend in der Industrie fortsetzen. Die Bauproduktion ging im zweiten Quartal demgegenüber um 2,3 % zurück. Während im Bauhauptgewerbe (Hoch- und Tiefbau) ein witterungsbedingt absehbarer Rückgang von 0,7 % zu verzeichnen war, gab es im Ausbaugewerbe ein überraschend starkes Quartalsminus von 4,2 %. Insgesamt bleiben die Rahmenbedingungen für den Bausektor günstig, sodass hier von einer Erholung im weiteren Jahresverlauf auszugehen ist.

Der private Konsum dürfte auch im zweiten Quartal die Konjunktur gestützt haben. Allerdings konnte die kräftige Dynamik im Einzelhandel nicht beibehalten werden. Nachdem im Mai mengenmäßig der höchste Umsatz seit Beginn der Statistik erzielt wurde, gingen die Erlöse im Juni um 2,3 % zurück. Ausgehend von einem sehr hohen Niveau nahmen deshalb die Umsätze im zweiten Quartal insgesamt leicht um 0,2 % ab. Lediglich die Umsätze im Kfz-Handel nahmen weiter schwungvoll zu. Das Geschäftsklima im Einzelhandel lag bei leichten Schwankungen am aktuellen Rand weiterhin auf vergleichsweise hohem Niveau. Die Stimmung der Konsumenten bleibt gemessen am GfK Konsumklima ebenfalls sehr positiv.

Die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt setzt sich mit gebremster Dynamik fort. Im Vormonatsvergleich erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen im Juni saisonbereinigt um 10.000 Personen. Gegenüber dem Vorjahr stieg ihre Zahl im Inland um 157.000 Personen (Ursprungszahl) auf knapp 43,0 Mio. Personen. Der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung hält an, sie nahm im Mai saisonbereinigt um 22.000 Personen zu. Dennoch stieg die registrierte Arbeitslosigkeit im Juli gegen ihren bisherigen Trend saisonbereinigt um 9.000 Personen. Nach Ursprungszahlen erhöhte sich die Arbeitslosigkeit etwas mehr als saisonüblich auf 2,773 Mio. Personen. Der Vorjahresstand wurde dagegen merklich um 99.000 Personen unterschritten. Insgesamt deuten die Indikatoren für den Arbeitsmarkt auf eine Fortsetzung der positiven Tendenzen mit verlangsamtem Tempo hin.

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Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der September-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 35. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 11. August 2015 vorlagen.

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