Pressemitteilung
15.1.2015

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Januar 2015

Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage; Quelle: iStockphoto.com/blackred
© iStockphoto.com/ blackred
  • Im Jahr 2014 ist die deutschen Wirtschaft im Durchschnitt relativ kräftig um 1,5% gewachsen.
  • Nach einer Stagnationsphase im zweiten und dritten Quartal ist die Konjunktur wieder moderat aufwärts gerichtet. Die Stimmung in den Unternehmen hellt sich auf. Auftragseingänge, Umsätze und Produktion in der Industrie dürften im Jahresendquartal zugenommen haben.
  • Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter positiv. Der Beschäftigungsaufbau setzt sich fort, die Arbeitslosigkeit sinkt. Dies sorgt für steigende Einkommen und stützt den privaten
    Konsum.
  • Der schwache Euro und der Verfall der Mineralölpreise liefern zusätzliche Impulse.

Im Gesamtjahr 2014 hat sich die gesamtwirtschaftliche Leistung der deutschen Volkswirtschaft relativ kräftig um preisbereinigt 1,5 % und damit wieder deutlich stärker als in den beiden vorangegangenen Jahren erhöht. [1] Die Basis hierfür wurde auf der Nachfrageseite durch den Anstieg der privaten Konsumausgaben gelegt (+1,1 %). Weitere Impulse kamen von den Investitionen in Ausrüstungen (+3,7 %) und Bauten (+3,3 %) sowie vom Außenhandel mit einem Wachstumsbeitrag von 0,4 Prozentpunkten. [2] Nach dem dynamischen Wachstum im Winterhalbjahr 2013/2014 schwächte sich die Konjunktur allerdings ab dem Frühjahr 2014 ab. Vor allem das außenwirtschaftliche Umfeld hatte sich merklich eingetrübt. Zum Jahresende 2014 hat die Erholung wieder verhalten eingesetzt. Die Stimmungsindikatoren haben sich spürbar aufgehellt. Die Auftragseingänge, die Umsätze und die Produktion in der Industrie dürften im vierten Quartal zugenommen haben. Die Beschäftigung ist in den vergangenen Monaten recht dynamisch weiter angestiegen. Der Rückgang der Mineralölpreise wirkt auf die Verbraucherpreise durch und stärkt die real verfügbaren Einkommen. Die Zurückhaltung bei den Investitionen hat sich zwar noch nicht gelegt, die Aufhellung der Geschäftserwartungen in der gewerblichen Wirtschaft verspricht aber Besserung. Insgesamt mehren sich Signale, die für eine sich verstärkende Erholung sprechen.

Auch das Wachstumstempo der Weltwirtschaft, das sich im Sommerhalbjahr 2014 abgeschwächt hatte, dürfte jetzt allmählich wieder etwas Fahrt aufnehmen. Ihre Dynamik wird aber wegen zahlreicher struktureller Probleme geringer bleiben als in früheren Aufschwungphasen. Dabei bleiben die Abwärtsrisiken vielfältig und beachtlich. Zur Abschwächung trug vor allem die stockende Erholung in der Eurozone und in Japan bei. Die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich und eine Reihe von Schwellenländern behielten demgegenüber ihr Wachstumstempo bei. Während die Dynamik in Asien etwas nachließ, haben die Schwellenländer in Lateinamerika sowie in Afrika und im Mittleren Osten damit begonnen, ihre Schwächephase zu überwinden. Der Rückgang der Ölpreise erhöht für sich genommen die Realeinkommen in den Abnehmerländern, bremst aber die Einkommensentwicklung in den Öl exportierenden Staaten. Per saldo dürften daraus für die globale Wirtschaft begrenzte positive Impulse entstehen.

Das deutsche Auslandsgeschäft entwickelt sich vor diesem Hintergrund positiv, aber wenig dynamisch. Das Rekordergebnis bei den Warenausfuhren vom Oktober konnte im November nicht übertroffen werden. Saisonbereinigt gingen die Ausfuhren um 2,1 % zurück. In der Tendenz blieben sie aber weiterhin aufwärts gerichtet. Die Wareneinfuhren legten im November um 1,5 % zu. Auch hier setzte sich die positive Entwicklung weiter fort. Die kurzfristigen Exporterwartungen der Unternehmen haben sich seit September merklich aufgehellt. Die Auftragseingänge aus dem Ausland und die Auslandsumsätze entwickelten sich ebenfalls positiv. Die Euroabwertung trägt zu einer spürbaren Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bei.

Die einschlägigen Stimmungsindikatoren im Produzierenden Gewerbe haben sich zum Jahresende aufgehellt. Auch die Produktion, die Umsätze und die Auftragseingänge in der Industrie signalisierten erste Besserungstendenzen. Im November fiel die Produktion im Produzierenden Gewerbe insgesamt zwar geringfügig niedriger aus als im Oktober (-0,1 %), das Produktionsniveau im Oktober/November lag aber merklich über dem durchschnittlichen Niveau im dritten Quartal. [3] Während sich die Erzeugung im Baugewerbe bis zum November abschwächte (-0,6 %), erhöhte sich die Industrieproduktion mit einem leichten Plus von 0,3 % den dritten Monat in Folge. Gemessen an den Umsätzen kamen die Impulse hier aus dem Ausland. Im Inland wurden in den vergangenen drei Berichtsmonaten vor allem die Umsätze von Investitionsgütern spürbar ausgeweitet. Der Absatz von Vorleistungs- und Konsumgütern blieb dagegen tendenziell rückläufig. Trotz des Rückgangs um 2,4 %, der auch auf geringe Großaufträge zurückzuführen war, sind die industriellen Auftragseingänge in der Tendenz bereits aufwärts gerichtet. Auch hier kamen die Impulse aus dem Ausland. Im Baugewerbe zeichnet sich dagegen noch keine Trendwende ab. Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe blieben trotz geringfügigen Anstiegs im Oktober (+0,6 %) in der Tendenz rückläufig. Angesichts der nach wie vor günstigen Rahmenbedingungen für den Bau ist hier aber nicht mit einer längeren Schwächephase zu rechnen. Alles in allem hat sich das Indikatorenbild im Produzierenden Gewerbe in den vergangenen Monaten leicht verbessert.

Der private Konsum stützt weiterhin die Binnennachfrage. Die positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt führten im dritten Quartal 2014 zum stärksten Reallohnanstieg seit drei Jahren. Unterstützt durch niedrigere Energiepreise gab es im Vergleich zum Vorjahr ein kräftiges Einkommensplus von 1,8 %. Nach einem schwachen Sommerhalbjahr sind die Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz-Handel) im Oktober und November kräftig gestiegen und lassen ein positives Schlussquartal erwarten. Dafür sprechen auch die jüngsten Ergebnisse des ifo Konjunkturtests: Im Dezember wurde die Geschäftslage von den Einzelhändlern deutlich besser eingeschätzt als in den beiden Vormonaten. Allerdings haben sich die Erwartungen spürbar verschlechtert. Das Konsumklima der Verbraucher blieb aber ungebrochen positiv und kletterte im Januar auf den höchsten Stand seit acht Jahren.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin günstig. Die Arbeitslosigkeit ging im Dezember saisonbereinigt um 27.000 Personen zurück. Jahreszeitlich bedingt erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen auf 2,76 Mio. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg im Oktober saisonbereinigt kräftig um 42.000 und die Zahl der Erwerbstätigen im November um 11.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen waren damit weiterhin etwas mehr als 43 Mio. Personen im Inland erwerbstätig. Da sich auch die Frühindikatoren für den Arbeitsmarkt eher etwas aufhellten, dürften sich die günstigen Entwicklungen in den kommenden Monaten fortsetzen. 

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Hinweis:

Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Februar-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 5. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 15. Januar 2015 vorlagen.
[2] Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes zum Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2014 vom 15. Januar 2015.
[3] Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Daten.

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