Pressemitteilung
10.10.2014

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Oktober 2014

Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage; Quelle: iStockphoto.com/blackred
© iStockphoto.com/ blackred
  • Die deutsche Konjunktur durchlief im Sommer eine Schwächephase.
  • Die Stimmungsindikatoren haben sich auf breiter Front eingetrübt. Die geopolitischen Konflikte haben Unternehmen zunehmend verunsichert. Hinzu kommt die schleppende Erholung im Euroraum mit negativen Effekten auf die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen deutscher Unternehmen.
  • Auftragseingänge, Umsätze und Produktion im Verarbeitenden Gewerbe entwickeln sich im Schnitt der letzten Monate schwächer als erwartet. Im August wurde Tendenz durch negative Ferientageeffekte allerdings dramatisch überzeichnet.
  • Der Arbeitsmarkt ist weiterhin robust, die Einkommen steigen und der Konsum stützt die Konjunktur.

Die deutsche Wirtschaft durchlief im Sommer eine Schwächephase. [1] Die Entwicklung der Weltwirtschaft und insbesondere die Konjunktur im Euroraum verlaufen derzeit schleppender als erwartet. Zudem drücken die Russland-Ukraine-Krise und andere Konflikte auf die Stimmung von Unternehmern und Verbrauchern. Nach dem leichten Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung im zweiten Quartal deuten die Konjunkturindikatoren für Deutschland gegenwärtig auf eine zunächst sehr verhaltene Entwicklung hin. Dabei steht einer schwächer als erwarteten Entwicklung im Produzierende Gewerbe eine vermutlich moderate Zunahme der Leistung in den meisten Dienstleistungsbereichen gegenüber. Gleichwohl sind viele Fundamentalfaktoren der deutschen Wirtschaft unverändert gut. Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, die soliden öffentlichen Haushalte, der robuste Arbeitsmarkt, die stabilen Preise und anregend niedrige Zinsen sprechen dafür, dass sich die Auftriebskräfte wieder stärker durchsetzen, sobald die Verunsicherung nachlässt.

Trotz kräftigen Anstiegs der Weltindustrieproduktion im Juli - sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern - bleibt die Grunddynamik der Weltwirtschaft vorerst gedämpft. Der IWF hat seine Prognose für das Wachstum des Welt-BIP für 2014 auf 3,3 % zurückgenommen und erwartet für 2015 einen Anstieg um 3,8 %. Im zweiten Quartal lieferten neben der Sonderentwicklung der japanischen Wirtschaft vor allem die größeren Staaten Lateinamerikas und der Euroraum geringe bzw. keine Wachstumsbeiträge. Nicht zuletzt verläuft die wirtschaftliche Entwicklung der großen Euro-Mitglieder Frankreich und Italien unbefriedigend. Positive Impulse kamen vor allem von den Vereinigten Staaten, Großbritannien und einigen Schwellenländern Asiens. Die Risiken für die weitere Entwicklung bleiben insgesamt erhöht. Die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft sind damit weniger günstig als bisher angenommen.

Vor diesem Hintergrund entwickeln sich die deutschen Ausfuhren verhalten positiv. Zwar gab es im August einen kräftigen Rückgang um 5,8 % [2], bei dem aber die späte Lage der Sommerferien eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Im aussagekräftigeren Mehrmonatsvergleich zeigt sich dagegen eine Aufwärtstendenz. Die nominalen Einfuhren sind im Juli und August zurückgegangen, ohne dass sich derzeit ein eindeutiger Trend abzeichnet. Im August betrug der Überschuss im Warenhandel nach Angaben der Bundesbank 14,5 Mrd. Euro. Der Leistungsbilanzüberschuss lag bei 10,3 Mrd. Euro. Die Perspektiven für das Auslandsgeschäft bleiben sehr verhalten. Die Umsätze mit und die Bestellungen aus dem Ausland sind tendenziell rückläufig. Auch die Exportwartungen und das Exportklima vom ifo Institut haben sich zuletzt eingetrübt. In den kommenden Monaten ist daher mit einer verhaltenen Entwicklung der Exporte zu rechnen.

Die international ausgerichtete Industrie leidet besonders unter der zögerlichen Entwicklung der Weltwirtschaft und den Verunsicherungen durch die geopolitischen Krisen. Darüber hinaus werden die aktuellen Monatsdaten erheblich durch die späte Lage der Sommerferien beeinflusst. Produktion, aber auch Umsätze und Auftragseingänge in der Industrie, insbesondere im Bereich Kraftfahrzeuge, wurden dadurch im Juli erheblich über- und im August unterzeichnet. Die Produktion von Kfz ging so nach einem Anstieg im Juli um 11,4 % im August um 25,4 % zurück. Insgesamt schwächte sich die Produktion im Produzierenden Gewerbe im August um 4,0 % ab, nach einem Anstieg um 1,6 % im Juli. Die Erzeugung in der Industrie ging um 4,8 % und die im Baugewerbe um 2,0 % zurück. Betrachtet man den Zweimonatszeitraum Juli/August, um Ferientageeffekte auszugleichen, war der monatliche Ausstoß in der Industrie um 0,5 % und im Baugewerbe um 0,2 % niedriger als im Durchschnitt des zweiten Quartals. Im August gingen auch 5,7 % weniger Aufträge ein als im Vormonat. Auch hier wirkten sich die Ferientageeffekte ungünstig aus, darüber hinaus gab es aber auch nur wenige Großaufträge. Im Zweimonatszeitraum Juli/August waren die Bestellungen um 0,3 % niedriger als im zweiten Quartal. In diesem Zeitraum gingen monatlich aus dem Inland 1,3 % weniger und aus dem Ausland 0,6 % mehr Aufträge ein als im Durchschnitt des zweiten Quartals. Die Verunsicherung in der Wirtschaft aufgrund geopolitischer Entwicklungen und der schleppenden Entwicklung im Euroraum zeigt sich in den Umfrageindikatoren. Das ifo Geschäftsklima für das Verarbeitende Gewerbe verschlechterte sich im September den fünften Monat in Folge und der Markit/BME-Einkaufsmanagerindex für die Industrie sank unter seine Expansionsschwelle.

Der private Konsum bleibt die zuverlässigste konjunkturelle Stütze. Im ersten Halbjahr lagen die privaten Konsumausgaben preisbereinigt um 1,0 % höher als vor einem Jahr und die Indikatoren signalisieren einen weiteren Anstieg. Die Umsätze des Einzelhandels ohne Kfz-Handel stiegen Stand Juli/August weiter deutlich über das Niveau des zweiten Quartals an. Zwar trübte sich das Geschäftsklima der Einzelhändler den dritten Monat in Folge ein. Auch die Verbraucher ließen sich etwas in ihrer Stimmung verunsichern, ihre Anschaffungsneigung bleibt aber hoch. Insgesamt lassen die wichtigsten Rahmenbedingungen wie der robuste Arbeitsmarkt, die steigenden Einkommen und die stabilen Preise weiterhin eine positive Entwicklung des privaten Konsums erwarten.

Der Arbeitsmarkt ist weiterhin robust und Garant für eine solide binnenwirtschaftliche Entwicklung. Die Zahl der Arbeitslosen sank im September mit der einsetzenden Herbstbelebung auf 2,808 Mio. Personen. Saisonbereinigt erhöhte sie sich zwar leicht um 12.000 Personen. Wenn man Sondereffekte, wie die späte Lage der Sommerferien, berücksichtigt, entwickelt sich die Arbeitslosigkeit aber gegenwärtig stabil. Dies zeigt sich auch an der Unterbeschäftigung, die unverändert blieb. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm im Juli saisonbereinigt weiter um 30.000 und die Zahl der Erwerbstätigen im August um 26.000 Personen zu. Nach den Ursprungszahlen waren damit im August 42,82 Mio. Personen im Inland erwerbstätig. Das sind 355.000 mehr als vor einem Jahr und stellt einen neuen Rekordstand dar.

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Hinweis:

Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der November-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich Ende der der 43. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 09. Oktober 2014 vorlagen.
[2] Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Angaben.

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