Pressemitteilung
12.8.2014

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im August 2014

Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage; Quelle: iStockphoto.com/blackred
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  • Nach dem starken ersten Quartal kommt es zu einer Abschwächung im zweiten Quartal. Neben einer schwächeren Entwicklung im Euroraum trug hierzu die Verunsicherung durch die geopolitischen Entwicklungen bei.
  • Die Erzeugung und die Bestellungen im Produzierenden Gewerbe liegen im zweiten Quartal niedriger. Die positive konjunkturelle Grundtendenz ist aber nach wie vor intakt.
  • Der Arbeitsmarkt ist stabil, die Einkommen steigen und die Konsumlaune ist weiterhin hoch. Niedrige Zinsen, stabilisierte Finanzmärkte und eine wachsende Weltwirtschaft wirken anregend.

Die gesamtwirtschaftliche Leistung der deutschen Wirtschaft dürfte sich im zweiten Quartal abgeschwächt haben. [1] Eine Gegenreaktion auf die nicht zuletzt witterungsbedingt starke Produktionsausweitung im ersten Quartal war allgemein erwartet worden. Die Frühjahrsbelebung fiel nach dem milden Winter sehr schwach aus. Die wirtschaftliche Aktivität im Euroraum entfaltet sich indes zögerlicher als zuvor erhofft. Auch die geopolitischen Entwicklungen haben in den vergangenen Monaten Spuren hinterlassen. Insbesondere der Russland-Ukraine-Konflikt aber auch die Entwicklungen im Nahen Osten führten zu einer zunehmenden Verunsicherung der Marktteilnehmer und damit auch zur Zurückhaltung bei unternehmerischen Entscheidungen. Die Verunsicherungen dürften gegenwärtig schwerer wiegen als die unmittelbaren Auswirkungen der verhängten Sanktionsmaßnahmen. Insgesamt hat sich die Stimmung in der Wirtschaft spürbar eingetrübt, die Bestellungen, die Produktion und die Umsätze in der Industrie schwächten sich ab. Die Mehrheit der Unternehmen zeigt sich trotz Stimmungseintrübung aber optimistisch hinsichtlich der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte haben nicht zuletzt dank des stabilen Arbeitsmarktes weiterhin Substanz. Die positive konjunkturelle Grundtendenz der deutschen Wirtschaft ist nach wie vor intakt. Die Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld haben sich aber fraglos erhöht.

Die Weltkonjunktur setzt ihren Kurs der allmählichen Belebung fort. Die schwache Entwicklung zu Jahresbeginn scheint überwunden. Sie war maßgeblich auf den vorübergehenden, witterungsbedingten Rückschlag der US-Wirtschaft zurückzuführen. Nun kommen die zyklischen Auftriebskräfte wieder stärker zum Tragen. Sie werden in den Industriestaaten weiterhin unterstützt durch die stark akkommodierenden Geld- und weniger restriktiven Fiskalpolitiken. Die maßgeblichen konjunkturellen Impulse werden daher weiterhin von den entwickelten Staaten, allen voran den Vereinigten Staaten, erwartet. Allerdings verläuft die Erholung des Euroraums nur sehr zögerlich. Neben der Bewältigung struktureller Herausforderungen sorgt hier der Russland-Ukraine-Konflikt für Verunsicherung. Die Wachstumsdynamik in den Schwellenländern bleibt vorerst ebenfalls gedämpft. Vor diesem Hintergrund und angesichts des schwachen Einstiegs der Vereinigten Staaten in das laufende Jahr hat der IWF Ende Juli seine Prognose des Welt-BIPs für das Jahr 2014 etwas auf 3,4 % nach unten korrigiert. Für das Jahr 2015 geht er weiterhin von einem Wachstum von 4,0 % aus. Allerdings sind die Abwärtsrisiken aufgrund der geopolitischen Lage gestiegen.

Die deutschen Warenausfuhren erhöhten sich in jeweiligen Preisen im Juni um 0,9 % und im gesamten zweiten Quartal um 0,5 %. [2] Preisbereinigt dürfte der Anstieg noch etwas schwächer ausgefallen sein. Im laufenden Jahr waren vor allem die Ausfuhren in die GUS-Staaten und nach Mittel- und Südamerika rückläufig. Obwohl im Juni ein Anstieg um 4,5 % zu verzeichnen war, schwächten sich die nominalen Wareneinfuhren dagegen im zweiten Quartal um 1,3 % ab. Dieser Rückgang wird in realer Rechnung auch durch die sinkenden Einfuhrpreise nicht gänzlich kompensiert. Insgesamt sind vom Außenhandel weiterhin kaum Impulse für das Wachstum in Deutschland zu erwarten.

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist nach drei Rückgängen in Folge im Juni wieder leicht angestiegen (+0,3 %). Im zweiten Quartal insgesamt unterschritt die Gesamterzeugung den Stand des Vorquartals um 1,5 %. Eine schwächere wirtschaftliche Aktivität war als Gegenbewegung zu dem durch die milde Witterung begünstigten und wachstumsstarken ersten Quartal allgemein erwartet worden. Dies zeigt sich vor allem im Baugewerbe, das im zweiten Quartal einen Rückgang der Erzeugung um 5,8 % zu verzeichnen hatte. Die Industrieproduktion schwächte sich um 1,0 % ab. Auch durch die geopolitisch bedingte Verunsicherung gingen die Bestellungen in der Industrie im Juni erneut spürbar zurück (-3,2 %), wobei die aktuelle Entwicklung der Bestelltätigkeit vor allem auch durch das deutlich unterdurchschnittliche Volumen an Großaufträgen geprägt war. Im gesamten zweiten Quartal hat sich die Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen gegenüber dem Vorquartal um 0,6 % abgeschwächt. Vor allem die Erwartungskomponente des ifo Geschäftsklimas hat sich in den letzten Monaten eingetrübt. Gleichwohl dürfte sich die insgesamt positive Konjunkturtendenz im Produzierenden Gewerbe fortsetzen. Dies wird unter anderem durch das überdurchschnittliche Niveau der aktuellen Lagebeurteilungen im ifo Konjunkturtest und durch den Markit/BME-Einkaufsmanagerindex für die Industrie signalisiert. Letzterer verbesserte sich im Juli und zeigt eine Expansion der Erzeugung an.

Der private Konsum bleibt eine wichtige Säule der wirtschaftlichen Entwicklung. Im ersten Quartal des Jahres stiegen die privaten Konsumausgaben preisbereinigt um 0,7 %. Die Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz-Handel) schwächten sich allerdings im zweiten Quartal geringfügig um 0,3 % ab. Das ifo Geschäftsklima der Einzelhändler und insbesondere die Beurteilung der Geschäftslage blieb im gesamten zweiten Quartal und auch im Juli freundlich. Die positive Einkommens- und Beschäftigungsentwicklung sowie die stabilen Verbraucherpreise sorgen weiterhin für eine gehobene Konsumlaune bei den Verbrauchern.

Der Arbeitsmarkt ist weiterhin stabil und eine Stütze der binnenwirtschaftlichen Entwicklung. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Juli jahreszeitlich bedingt auf 2,871 Mio. Personen. Saisonbereinigt sank die Arbeitslosigkeit aber um 12.000 Personen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg im Mai saisonbereinigt weiter um 20.000 und die Zahl der Erwerbstätigen im Juni um 16.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen waren damit im Mai 42,24 Mio. Personen im Inland erwerbstätig, 377.000 mehr als vor einem Jahr.

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Hinweis:

Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der September-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 35. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 11. August 2014 vorlagen. Erste Ergebnisse zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal 2014 werden vom Statistischen Bundesamt am 14. August veröffentlicht.
[2] Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Angaben.

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