Pressemitteilung
12.6.2014

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juni 2014

Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage; Quelle: iStockphoto.com/blackred
© iStockphoto.com/ blackred
  • Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Aufschwung. Die Frühjahrsbelebung fällt nach dem milden Winter allerdings schwächer aus als üblich.

  • Die Weltwirtschaft wächst weiter nur verhalten.

  • Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe bleibt aufwärtsgerichtet. Die Indikatoren deuten auf ein langsameres Wachstum im zweiten Quartal hin.

  • Die positive Entwicklung des Arbeitsmarkts dürfte sich nach der vorübergehenden Unterbrechung durch die schwache Frühjahrsbelebung fortsetzen.

Nach einem wachstumsstarken Jahresbeginn ist die deutsche Wirtschaft etwas verhaltener in das zweite Quartal gestartet. [1] Die Frühjahrsbelebung fällt nach dem milden Winter erwartungsgemäß schwächer aus. Dies gilt insbesondere für das Baugewerbe. Insgesamt setzt sich der Aufschwung der deutschen Wirtschaft aber solide fort. Das Verarbeitende Gewerbe expandiert in moderatem Tempo und Dienstleistungsbereiche weiten ihre Leistungen weiter aus. Hierauf deuten unter anderem die einschlägigen Stimmungsindikatoren hin. Die entscheidenden Nachfrageimpulse dürften weiterhin von der Binnenwirtschaft ausgehen. Beschäftigung und Einkommen steigen, die Preise sind stabil und das Konsumentenvertrauen hoch. Die Investitionstätigkeit ist angesprungen. Die Wachstumsdynamik der Bauinvestitionen dürfte sich allerdings nach dem starken ersten Quartal deutlich beruhigen. Vom Außenhandel sind weiterhin allenfalls geringe Impulse zu erwarten.

Im ersten Quartal dürfte sich das weltwirtschaftliche Wachstum vorübergehend sogar etwas verlangsamt haben. Wachstumstreiber bleiben vornehmlich die Industriestaaten. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten befindet sich auf einem soliden Wachstumspfad, auch wenn sie vor allem wegen des harten Winters im ersten Quartal stagnierte. Die Erholung im Euroraum ist dagegen nach wie vor fragil und kommt langsamer voran als erhofft. Vorerst bleibt daher die Geld- und die Fiskalpolitik in den entwickelten Staaten expansiv ausgerichtet. Hemmend für die Weltwirtschaft wirkt die schwächere Wachstumsdynamik in den meisten asiatischen, aber auch in den übrigen größeren Schwellenländern, die strukturelle Herausforderungen zu bewältigen haben. Insgesamt dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft daher nur wenig beschleunigen. Die OECD rechnet in ihrer Prognose vom Mai mit einem Anstieg des Welt-BIP im laufenden Jahr von 3,4 % und für das Jahr 2015 von 3,9 %. Allerdings bleiben nicht nur geopolitische Risiken beachtlich.

Die deutschen Warenausfuhren sind im April saisonbereinigt und in laufenden Preisen kräftig um 3,0 % gestiegen [2]. Ihre Tendenz ist gegenwärtig jedoch leicht abwärtsgerichtet (Dreimonatsvergleich [3]: -0,4 %), was auch auf den Rückgang der Exportpreise zurückzuführen ist. Vor dem Hintergrund der schwächelnden Weltkonjunktur sind diese seit Jahresbeginn um etwa 0,5 % gefallen. Die Einfuhren haben im April zwar nur leicht um 0,1 % zugenommen, sie bleiben im Trend aber klar aufwärtsgerichtet (Dreimonatsvergleich: +1,4 %). Da die Importpreise tendenziell sinken, dürfte der positive Trend in preisbereinigter Betrachtung noch deutlicher ausfallen. Die Salden der Handels- und Leistungsbilanz lagen im April mit 17,4 Mrd. Euro bzw. 18,4 Mrd. Euro jedoch weiter deutlich im Plus.

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich im April nach dem Rückgang im Vormonat wieder leicht erholt (+0,2 %). Stützend wirkten die stabile Entwicklung der Industrieproduktion (+0,1 %) und der Anstieg der Erzeugung im Bereich der Energie (+2,7 %). Die Erzeugung im Baugewerbe ging im Zuge der nur schwach ausgeprägten Frühjahrsbelebung dagegen weiter zurück (-1,2 %). Im Trend bleibt die Produktion im Produzierenden Gewerbe weiter leicht aufwärtsgerichtet (Dreimonatsvergleich: +0,5 %). Hierzu trägt die Industrie mit einem Plus von 0,4 % bei. Für das Baugewerbe dürfte es demgegenüber im zweiten Quartal schwierig werden, das Produktionsergebnis des ersten (in saisonbereinigter Rechnung) zu übertreffen. Die Bestellungen in der Industrie legten im April, gestützt durch einen überdurchschnittlichen Umfang an Großaufträgen, deutlich zu und konnten ihren Rückgang vom Vormonat mehr als wettmachen. Die Aufwärtstendenz der Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen ist weiter intakt, die Zuwächse haben aber spürbar abgenommen. Impulse kommen vor allem von Seiten der Nachfrage aus dem Inland, die im Trend weiter zunimmt (Dreimonatsvergleich: +1,4 %). Die Auslandsnachfrage zeigt dagegen zurzeit keine eindeutige Tendenz. Die Belebung der ökonomischen Aktivität im Produzierenden Gewerbe dürfte sich damit in ruhigerer Gangart fortsetzen. Hierauf deutet auch das trotz Abschwächung nach wie vor hohe Niveau der Umfrageindikatoren hin.

Die privaten Konsumausgaben trugen im ersten Quartal mit einem Anstieg um preisbereinigt 0,6 % gegenüber dem Vorquartal maßgeblich zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum bei. Allerdings erhielten die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz-Handel) im April einen Dämpfer (-0,9 %) und auch das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel schwächte sich im Mai den zweiten Monat in Folge etwas ab. Dennoch sprechen die für den privaten Konsum weiterhin ausgezeichneten Rahmenbedingungen für eine Fortsetzung seines Aufwärtstrends. Die positive Entwicklung von Beschäftigung und Einkommen, die stabilen Verbraucherpreise und die wieder aufgehellte gesamtwirtschaftliche Perspektive haben das Konsumentenvertrauen im zweiten Quartal auf das höchste Niveau seit der Finanzkrise geführt.

Die gute Entwicklung des Arbeitsmarktes setzt sich in der Tendenz fort. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Mai auf 2,882 Mio. Personen. Allerdings ließ die schwache Frühjahrsbelebung die Arbeitslosigkeit bei saisonbereinigter Betrachtung gegen den Trend um 24.000 Personen ansteigen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg dagegen im März saisonbereinigt weiter um 62.000 und die Zahl der Erwerbstätigen im April um 32.000 Personen an. Nach den Ursprungszahlen waren damit im April 42,00 Mio. Personen im Inland erwerbstätig, 398.000 mehr als vor einem Jahr.

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Hinweis:

Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Juli-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 26. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 11. Juni 2014 vorlagen.
[2] Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Angaben.
[3] Zeitraum Februar/März/April gegenüber Zeitraum November/Dezember/Januar.

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