Pressemitteilung
10.7.2013

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juli 2013 [1]

Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage; Quelle: iStockphoto.com/blackred
© iStockphoto.com/ blackred
  • Die deutsche Wirtschaft setzt ihren moderaten Erholungskurs fort.
  • Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe weist trotz Abschwächung im Mai tendenziell weiter nach oben. Die Auftragseingänge in der Industrie dürften ihren Tiefpunkt hinter sich gelassen haben, auch wenn sie im Mai erneut rückläufig waren.

  • Der private Konsum bleibt eine wichtige Stütze der Konjunktur. Steigende Einkommen und ein ruhiges Preisklima stärken die Kaufkraft.

  • Der Arbeitsmarkt befindet sich weiter in einer stabilen Verfassung. Der Beschäftigungsaufschwung setzt sich gedämpft fort, die Arbeitslosigkeit geht zurück.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Beginn dieses Jahres auf dem Kurs der konjunkturellen Erholung. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum, das witterungsbedingt im ersten Quartal noch recht moderat ausfiel, dürfte im zweiten Quartal wieder kräftiger zunehmen. Dies signalisieren die aktuell vorliegenden Indikatoren. In den konjunktursensitiven Wirtschaftsbereichen Industrie und Baugewerbe schwächte sich die Erzeugung im Mai zwar ab, insgesamt aber wurden in beiden Bereichen in den beiden ersten Monaten des zweiten Quartals die Produktionsergebnisse des ersten Quartals deutlich übertroffen. Auch im weiteren Jahresverlauf ist angesichts der aktuell positiven Stimmung bei Unternehmern und Verbrauchern mit einer Fortsetzung der konjunkturellen Erholung in Deutschland zu rechnen. Die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft gestalten sich weiterhin recht unterschiedlich. Die moderate Erholung der Weltwirtschaft setzt sich fort. Dämpfende Einflüsse gehen allerdings nach wie vor von der schwachen Entwicklung in der Eurozone aus. In den USA deuten die aktuellen Indikatoren auf eine Fortsetzung des moderaten Wachstumskurses. In Japan sorgt die expansive Geld- und Fiskalpolitik nach einem überraschend wachstumsstarken ersten Quartal kurzfristig weiter für konjunkturellen Schub. Aus China kommen vermehrt Signale, die auf eine stärkere Abkühlung der Wachstumsdynamik hindeuten als bislang erwartet. Dies könnte das bisher relativ dynamische Wachstum im asiatischen Raum insgesamt dämpfen. Angesichts der schwächeren Dynamik im südamerikanischen Raum würden somit die konjunkturellen Impulse aus den Schwellenländern insgesamt schwächer ausfallen. Damit sind im Berichtszeitraum die bestehenden konjunkturellen Risiken in der Weltwirtschaft wieder etwas stärker in den Fokus gerückt.

Die deutschen Ausfuhren haben sich im Mai saisonbereinigt spürbar abgeschwächt, sie weisen im Trend aber weiter moderat nach oben. Belastend wirken sich rezessive Entwicklungen bei wichtigen Handelspartnern in der Eurozone aus. Gleichwohl bleiben die Perspektiven für die deutsche Ausfuhrentwicklung insbesondere mit Blick auf die Märkte außerhalb des Eurogebiets positiv. Eine positive Gesamtperspektive kommt auch in den vorlaufenden Konjunkturindikatoren zum Ausdruck. So haben sich die Exporterwartungen der Unternehmen im Juni wieder deutlich aufgehellt. Die insgesamt eher seitwärts gerichtete Tendenz der Auslandsaufträge zeigt aber auch, dass die Impulse der Exportnachfrage vorerst recht begrenzt bleiben.

Die Industrie hatte nach teilweise deutlichen Zuwächsen in den ersten Monaten dieses Jahres im Mai erstmals wieder eine Abschwächung der Erzeugung zu verzeichnen. Mit -0,7 % [2] fiel der Produktionsrückgang aber recht moderat aus. Dämpfend machte sich vor allem die Investitionsgüterproduktion bemerkbar, die im Monat zuvor kräftig angestiegen war. Die Zunahme der Erzeugung bei den Vorleistungsgüterproduzenten wirkte dagegen stützend. In der Tendenz weist die industrielle Erzeugung weiter deutlich nach oben. Die Entwicklung der Auftragseingänge in der Industrie deutet derzeit allerdings auf eine etwas moderatere Ausweitung der industriellen Erzeugung in den kommenden Monaten hin. So schwächte sich die Bestelltätigkeit im Mai weiter spürbar ab. Die Entwicklung der Auftragseingänge ist in den letzten Monaten aber auch durch das teilweise starke Auf und Ab von Großaufträgen mitbestimmt. Ohne Großaufträge tendieren die Auftragseingänge weiter aufwärts, wenngleich etwas weniger deutlich als zuvor. Sowohl das ifo-Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe als auch die ZEW-Konjunkturerwartungen konnten sich im Juni weiter verbessern. Insgesamt bestätigt sich damit das Bild einer sich fortsetzenden, durch die industrielle Entwicklung gestützten, gesamtwirtschaftlichen Erholung.

Die Erzeugung im Baugewerbe ging im Mai deutlich um 2,6 % zurück, nachdem sie im April, gestützt durch Nachholeffekte zum Ausgleich der witterungsbedingten Produktionsverluste im ersten Quartal, kräftig angestiegen war. Insgesamt notiert die Erzeugung im Bauhauptgewerbe im April/Mai aber deutlich über dem Stand im ersten Quartal. Die Entwicklung vorlaufender Indikatoren wie der Auftragseingänge oder dem ifo-Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe zeigten sich zuletzt uneinheitlich. Während die Auftragseingänge im April wieder etwas zulegten, schwächte sich das ifo-Geschäftsklima im Juni geringfügig ab. Angesichts anhaltend günstiger Rahmenbedingungen bleiben die Perspektiven für die Bauwirtschaft insgesamt positiv.

Der private Konsum bleibt eine Stütze der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Nachdem die Privaten Konsumausgaben im ersten Quartal einer der maßgeblichen Träger des Wachstums waren, deuten die weiter zunehmenden Einzelhandelsumsätze darauf hin, dass vom privaten Konsum auch im zweiten Quartal Wachstumsimpulse zu erwarten sind. Angesichts einer anhaltend guten Verfassung des Arbeitsmarktes bei kräftigen Einkommenssteigerungen und einem fortgesetzt ruhigen Preisklima zeigen sich die Verbraucher in optimistischer Stimmung. Der Indikator für das Konsumklima verbesserte sich im Juni weiter auf einen seit sechs Jahren nicht mehr erreichten Höchststand.

Die Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt hat sich mit leichter Verzögerung eingestellt. Der Beschäftigungsaufschwung setzt sich, bereinigt um saisonale Einflüsse, in moderater Form fort. Dabei kamen im April spürbare Impulse von der Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Mit der sich wieder leicht belebenden Konjunktur bleiben die Perspektiven für den robusten deutschen Arbeitsmarkt positiv. Die Frühindikatoren zur Arbeitskräftenachfrage liegen zwar unter ihren vor einigen Monaten erreichten Höchstständen, sie zeigen sich in ihrer aktuellen Entwicklung aber weiter unauffällig. Das ifo-Beschäftigungsbarometer sank im Juni leicht, während sich der BAX-Stellenindex etwas erhöhte. Die Kurzarbeit spielt nach wie vor eine nur untergeordnete Rolle.

Die anhaltend hohe Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften in Deutschland macht deutlich, wie entscheidend es ist, jetzt die richtigen Schritte zur Sicherung unseres Fachkräftebedarfs zu gehen. Deshalb hat die Bundesregierung mit der am 1. Juli in Kraft getretenen Beschäftigungsverordnung den deutschen Arbeitsmarkt weiter bedarfsgerecht geöffnet. Auch qualifizierte Fachkräfte mit beruflicher Ausbildung aus nichteuropäischen Ländern können in Engpassberufen ab sofort bei uns eine Arbeit aufnehmen.

Für die Zukunft gilt es, die nach Berufsgruppe, Qualifikationsniveau oder Herkunftsland differenzierten Zuwanderungsregelungen zu einem offenen und transparenten Zuwanderungssystem weiterzuentwickeln - etwa in Form eines Punktesystems. Dies wäre ein Meilenstein auf dem Weg zu einer echten Willkommenskultur in Deutschland.

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Hinweis:

Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der August-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 30. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden statistische Daten verwendet, die bis zum 08. Juli 2013 vorlagen.
[2] Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter, sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Angaben.

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