Pressemitteilung
13.5.2013

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Mai 2013 [1]

Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage; Quelle: iStockphoto.com/blackred
© iStockphoto.com/ blackred
  • Die deutsche Wirtschaft ist im Verlauf des ersten Quartals wieder auf den Aufwärtspfad eingeschwenkt.
  • Der Auftragseingang in der Industrie und die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe erhöhten sich im Februar und März spürbar.
  • Die privaten Konsumausgaben dürften wieder etwas stärker expandiert haben.
  • Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter bemerkenswert günstig und stützt Einkommen und Binnenkonjunktur.

Die deutsche Wirtschaft ist im Verlauf des ersten Quartals auf den Pfad der Erholung eingeschwenkt. Um den Jahreswechsel 2012/2013 hat sich die Wirtschaftsleistung stabilisiert. Im Februar und März haben auch realwirtschaftliche Konjunkturindikatoren erste Anzeichen einer Belebung angezeigt, nachdem sich die nationalen Stimmungsindikatoren bereits zuvor merklich aufgehellt hatten. Die Aufwärtsbewegung dürfte sich im weiteren Verlauf des Jahres festigen und verstärken. Im Frühjahr werden witterungsbedingte Nachholeffekte vornehmlich in der Bauwirtschaft sowie die sich bessernde Auftragslage in der Industrie für weitere Impulse sorgen. Die nach wie vor gute Lage am Arbeitsmarkt bildet eine solide Grundlage für eine spürbar expandierende private Konsumnachfrage.

Die Weltwirtschaft ist dabei, sich aus ihrer Schwächephase zu lösen. Die Vereinigten Staaten befinden sich auf einem moderaten Wachstumskurs, auch wenn die Haushaltskonsolidierung in diesem Jahr noch Anpassungen erfordern wird. Die japanische Wirtschaft wird zumindest vorübergehend von den expansiven geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen ihrer Regierung profitieren. Die Schwellenländer setzen ihren Wachstumskurs, wenn auch mit regionalen Unterschieden, im Großen und Ganzen fort. Der Euroraum verharrt dagegen in einer Rezession und dürfte erst wieder im Verlauf des zweiten Halbjahres 2013 positive Wachstumsraten verzeichnen. Die Situation an den Finanzmärkten hat sich sichtbar entspannt. Viele und gewichtige strukturelle Probleme gerade der Eurostaaten sind aber noch nicht gelöst. Die Unwägbarkeiten der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung sind daher beachtlich. Weitere glaubwürdige Schritte hin zu einer Beseitigung der Ursachen der Euroschuldenkrise bleiben daher vordringlich.

Unter dem Einfluss einer sich nur allmählich belebenden Weltwirtschaft entwickelten sich die deutschen Ausfuhren bislang eher verhalten. Im März glichen die Ausfuhren einen Teil ihrer Verluste aus dem Vormonat aber wieder aus und erzielten im gesamten ersten Kalenderviertel ein leichtes Plus gegenüber dem Vorquartal. Die Exporterwartungen der Unternehmen wurden seit Jahresbeginn insgesamt optimistischer und hellten sich auch im April weiter auf. Wenn die Weltwirtschaft  langsam weiter Tritt fasst, dürfte die wettbewerbsfähige deutsche Exportwirtschaft davon wieder stärker profitieren.

Die deutsche Industriekonjunktur kommt in Bewegung. Nach einer bereits leichten Erholung im Vormonat erhöhte sich die Industrieproduktion im März um weitere 1,4 % [2]. Damit ergab sich für das gesamte erste Quartal 2013 ein Anstieg um 0,6 % gegenüber dem letzten Jahresviertel. Kräftige Produktionsausweitungen verzeichneten insbesondere die Hersteller von Investitionsgütern (Quartalsvergleich: +1,6 %). Ebenfalls spürbaren Auftrieb erhielten im Verlauf des ersten Quartals die Industrieaufträge. Sie stiegen im März zum zweiten Mal in Folge um 2,2 % und drehten damit auch im gesamten ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal ins Plus. Die kräftigsten Nachfrageimpulse erfuhren dabei die Hersteller von Vorleistungs- und Investitionsgütern. War bislang vor allem die Inlandsnachfrage der wichtigste Treiber, so schlossen die Auslandsbestellungen zuletzt wieder auf. Die realwirtschaftlichen Indikatoren folgen damit offenbar der positiven Entwicklung, die durch Umfragewerte vorgezeichnet worden war. Allerdings haben Stimmungsindikatoren wie das ifo-Geschäftsklima oder der Markit/BME-Einkaufsmanagerindex im April jeweils zum zweiten Mal in Folge nachgegeben, wobei das Niveau des ifo-Geschäftsklimas nach wie vor über dem langfristigen Durchschnitt liegt. Dies zeigt, dass die konjunkturelle Erholung, wie in der Jahresprojektion der Bundesregierung unterstellt, nur allmählich in Gang kommt.

Vom Produktionsrückgang im Baugewerbe gingen dämpfende Effekte aus, wobei die bis Anfang April ungewöhnlich kalte Witterung eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Nach zwei spürbaren Rückgängen in Folge (März: -3,1 %) blieb die Erzeugung im Baugewerbe im Durchschnitt des ersten Quartals 2013 um 0,6 % hinter dem Niveau des letzten Jahresviertels zurück. Die Bestelltätigkeit im Bauhauptgewerbe hat sich im Januar und Februar jedoch deutlich belebt, zuletzt auch wesentlich stärker seitens der gewerblichen Auftraggeber. Das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe setzte zwar seinen Höhenflug der letzten Monate im April nicht weiter fort, blieb aber auf überdurchschnittlich hohem Niveau. Die Perspektiven für die Bauwirtschaft sind damit nicht nur wegen der im Frühjahr zu erwartenden Nachholeffekte weiterhin günstig.

Die privaten Konsumausgaben dürften sich im ersten Quartal weiter erhöht haben. Hierauf deutet die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze hin, die trotz kleinerer Rückschläge im gesamten ersten Quartal um 1,5 % zulegten. Die Neuzulassungen für private Pkw haben sich ebenfalls wieder belebt. Das Konsumklima verbesserte sich mit seinem Anstieg im Mai den vierten Monat in Folge. Die stabile Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt und die steigenden Einkommen, die nicht zuletzt auch von den zum Jahreswechsel in Kraft getretenen Steuer- und Abgabensenkungen profitieren, sowie das ruhige Preisklima trugen hierzu bei. Die daraus resultierenden realen Einkommenszuwächse der Verbraucher sollten auch in den kommenden Monaten Impulse für den privaten Konsum geben.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter positiv. Die Frühjahrsbelebung fiel aber bislang merklich schwächer aus als üblich. Sowohl Witterungseinflüsse als auch eine konjunkturell bedingt etwas zurückhaltendere Nachfrage nach Arbeitskräften dürften hierbei eine Rolle gespielt haben. Der Beschäftigungszuwachs setzte sich im März weiter fort, ohne dass die Arbeitslosigkeit in gleichem Maße zurückging. Im April ist registrierte Arbeitslosigkeit in saisonbereinigter Betrachtung erneut leicht gestiegen. Die Frühindikatoren am Arbeitsmarkt blieben aber unauffällig.

Die Perspektiven für den deutschen Arbeitsmarkt bleiben wegen der erwarteten konjunkturellen Belebung nach wie vor freundlich. Nicht zuletzt deswegen sind im vergangenen Jahr netto 369 000 Personen nach Deutschland zugewandert. Insbesondere die Einwanderung aus den EU-Beitritts- und Krisenstaaten ist teilweise sprunghaft gestiegen; junge, häufig gut ausgebildete Menschen aus diesen Ländern suchen in Deutschland eine berufliche Zukunft.

Gute wirtschaftliche Perspektiven, verbunden mit einer klugen Zuwanderungspolitik zeigen hier ihre Wirkung. Dies hilft, hierzulande Fachkräfteengpässe zu überwinden und die Stabilität unserer sozialen Sicherungssysteme langfristig zu erhalten. Die Bundesregierung wird daher die Willkommenskultur in Deutschland weiter stärken; insbesondere die Zuwanderungsbedingungen für gut, akademisch oder beruflich ausgebildete Menschen aus Nicht-EU-Ländern müssen verbessert werden. Die jüngsten Zahlen machen aber auch deutlich, wie entscheidend es für die Krisenländer in Europa nun ist, durch wachstumsfreundliche Konsolidierung und Strukturreformen ihre eigenen wirtschaftlichen Perspektiven wieder zu verbessern.

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Hinweis:

Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Juni-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 22. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden statistische Daten verwendet, die bis zum 10. Mai 2013 vorlagen.
[2] Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter, sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Angaben.

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