Pressemitteilung
13.3.2012

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im März 2012

Wachstumskurve mit Kugelschreiber; Quelle: iStockphoto.com/blackred
© iStockphoto.com/ blackred
  • Die deutsche Wirtschaft zeigt zu Jahresbeginn Anzeichen der Stabilisierung.
  • Industrieproduktion und Außenhandel sind positiv ins neue Jahr gestartet.
  • Rückläufige Auftragseingänge in der Industrie sind Vorbelastung für künftige Produktion; die Stimmungsindikatoren signalisieren dennoch mehrheitlich steigende Zuversicht für die weitere Wirtschaftsentwicklung.
  • Der Arbeitsmarkt bleibt mit kräftigen Beschäftigungszuwächsen eine wichtige Auftriebskraft.

 

Die deutsche Wirtschaft zeigt zu Jahresbeginn Anzeichen der Stabilisierung. Die Stimmungsindikatoren haben sich spürbar aufgehellt. Unternehmen und Konsumenten erwarten demnach, dass die Konjunktur in den kommenden Monaten wieder Fahrt aufnehmen wird. Nach zwei sehr wachstumsstarken Jahren schwächte sich die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2011 leicht um 0,2 % [1] ab. Während die inländische Verwendung, gestützt auf die Bauinvestitionen, einen leicht positiven Wachstumsbeitrag lieferte, wirkte vor allem der Rückgang des Außenbeitrags dämpfend. In einem eingetrübten internationalen Wirtschaftsumfeld nahmen die Exporte stärker ab als die Importe. Die Verschuldungssituation einzelner Staaten, insbesondere im Euroraum, und eine schwache Wirtschaftsentwicklung wichtiger Handelspartner belasteten sowohl über den Handelskanal und als auch über negative Vertrauenseffekte die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Für die weiteren wirtschaftlichen Perspektiven kommt es deshalb darauf an, das Vertrauen in die Stabiliät der Eurozone wieder herzustellen.

Vom Außenhandel kamen im Januar positive Signale: die Ausfuhren von Waren nahmen um 2,3 % und die Einfuhren um 2,4 % zu. Das außenwirtschaftliche Umfeld wird sich aber erst allmählich aufhellen. So blieben die Auftragseingänge in der Industrie aus dem Ausland insgesamt bislang abwärts gerichtet. Der Leading Indicator für die OECD-Länder, die fast vier Fünftel der deutschen Ausfuhren abnehmen, signalisierte im Dezember aber zum zweiten Mal in Folge eine Besserung der Wirtschaftsentwicklung. Er kündigt damit freundlichere Rahmenbedingungen für die wettbewerbsfähige deutsche Exportwirtschaft an.

Ein positives Signal lieferte auch die spürbare Ausweitung der Produktion zu Jahresbeginn. Nachdem insbesondere ein schwacher Dezember die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe im vierten Quartal 2011 merklich dämpfte, zog sie im Januar mit +1,6 % wieder an. Sowohl die Industrie als auch das Bauhauptgewerbe und die Energieerzeugung verzeichneten klare Zuwächse. Den Umsätzen in der Industrie zufolge belebte sich bei einem leichten Absatzplus ins Ausland vor allem das Inlandsgeschäft. Hier zeigt sich die mittlerweile merklich gefestigte binnenwirtschaftliche Stärke der deutschen Wirtschaft.

Die Auftragseingänge in der Industrie blieben zu Jahresbeginn abwärts gerichtet. Im Januar gingen sie, maßgeblich aufgrund ungewöhnlich geringer Großaufträge, um 2,7 % zurück. Ohne den großauftragslastigen "sonstigen Fahrzeugbau" ergab sich ein Rückgang von nur 0,5 %. In der Tendenz entwickeln sich die Auftragseingänge aus Ländern außerhalb der Eurozone wieder recht robust. Die Auftragseingänge aus dem Inland nahmen im Januar etwas zu.

Die Stimmungsindikatoren entwickeln sich seit Jahresbeginn überwiegend freundlich. Dies gilt für Umfragen unter Unternehmern, Finanzmarktanalysten und Konsumenten gleichermaßen. Während im vierten Quartal die Investitionen in Ausrüstungen auf dem Niveau des Vorquartals verharrten, dürften dem Ersatz und der Erweiterung von Anlagen im weiteren Konjunkturverlauf wieder eine größere Bedeutung zukommen. Das sich seit sechs Monaten kontinuierlich aufhellende Konsumklima spricht seinerseits für eine Belebung des privaten Konsums. Dieser hatte im vierten Quartal 2011 noch einen negativen Wachstumsbeitrag von 0,1 % geliefert. Auch zu Jahresbeginn meldete der Einzelhandel im Januar sinkende Umsätze (ohne den Handel mit Kraftfahrzeugen). Gleichzeitig ist hier eine Besserung in den kommenden Monaten wahrscheinlich, denn die entscheidenden Rahmenbedingungen für den privaten Konsum bleiben günstig. Mit erneut kräftigen Zuwächsen der Erwerbstätigkeit im Januar und der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Dezember behält der Arbeitsmarkt seinen stabilisierenden Einfluss bei. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, die in 2011 je Quartal um durchschnittlich 0,7 % zulegten, dürften damit auch im ersten Jahresviertel 2012 weiter angestiegen sein. Die Frühindikatoren signalisieren eine anhaltend rege Nachfrage nach Arbeitskräften in nahezu allen Branchen. Aufgrund eines erneuten kräftigen Anstiegs der Energiepreise lagen die Verbraucherpreise im Februar um 2,3 % über dem Vorjahresniveau; im weiteren Jahresverlauf ist mit einem sich abschwächenden Preisauftrieb in Deutschland zu rechnen, der zusätzlich für steigende Kaufkraft sorgt.

Der Beschäftigungsboom und die sinkende Arbeitslosigkeit sind damit wesentliche Stützpfeiler für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Die Bereitschaft der Unternehmen, weiter einzustellen, hängt wesentlich davon ab, dass die gewonnene Flexibilität am Arbeitsmarkt erhalten bleibt. Flächendeckende Mindestlöhne oder eine Einschränkung der Zeitarbeit würden die Entwicklung zurückdrehen und Wachstum und Arbeitsplätze in Deutschland gefährden.

Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der April-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe wird voraussichtlich Anfang der 13. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden sein.

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[1] Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter, sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Angaben.

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