Interview

"Wirtschaft weiterhin auf Wachstumspfad"

Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Philipp Rösler, zur aktuellen konjunkturellen Lage in Deutschland.

Datum: 14.9.2011

Konjunkturexperten sagen für den Herbst einen Einbruch der Wirtschaftsleistung in Europa voraus, es ist sogar von einer Rezession die Rede. Wie schätzen Sie die aktuelle konjunkturelle Lage in Deutschland ein?

"Das wirtschaftliche Umfeld in Europa ist in den vergangenen Monaten schwieriger geworden, bedingt unter anderem durch die Schuldenkrise in einigen Mitgliedsstaaten der Euro-Zone. Auch die deutsche Wirtschaft spürt Gegenwind, das haben die moderaten Wachstumszahlen im zweiten Quartal gezeigt. Für Deutschland gilt aber: Die Wirtschaft ist nach wie vor robust und gut aufgestellt, dazu trägt auch der Konsum der privaten Haushalte bei. Der deutsche Aufschwung ist intakt. Ich bin mir sicher: Am Ende des Jahres wird eine Zahl stehen, die zeigt, wie stark die Wirtschaft in Deutschland ist."


Einige Ökonomen fordern zusätzliche staatliche Unterstützung, um das Wachstum zu sichern. Welche Schritte sind aus Ihrer Sicht notwendig, damit die weitere konjunkturelle Entwicklung positiv verläuft?

"Unser Ziel ist es, das Wachstum zu verstetigen. Dazu sind weitere Reformen notwendig. Als eine Hauptaufgabe sehe ich die Fachkräftesicherung an. Viele Unternehmen wollen neue Stellen schaffen, finden aber keine geeigneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deshalb müssen wir unser Potential im Inland besser ausschöpfen, benötigen zudem aber auch mehr qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland. Die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte nach Deutschland muss erleichtert werden, z.B. über eine Absenkung der bisherigen Gehaltsschwelle. Wir brauchen für Hochqualifizierte eine Willkommenskultur in Deutschland - keinen Hindernislauf. Außerdem brauchen wir dringend mehr Innovationsfreude und Technologieoffenheit, um neue Märkte für die deutsche Wirtschaft zu erschließen. Denn mit neuen Technologien und Innovationen entstehen zahlreiche Geschäftsfelder und neue Arbeitsplätze. Rückwärtsgewandte Technikfeindlichkeit bringt uns nicht weiter, denn Zukunft entsteht da, wo Fortschrittsoptimismus und Chancendenken zusammenkommen. Wir sollten die neuen Technologien als das begreifen, was sie sind - ein Wachstumsmotor für den Standort Deutschland."


Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung des Arbeitsmarktes ein?

"Heute arbeiten so viele Menschen in Deutschland wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, wir verzeichnen die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 1992. Obwohl die Wirtschaft in einem moderaten Tempo wächst, ist die Nachfrage nach Arbeitskräften, besonders nach Fachkräften, weiterhin sehr hoch. Deshalb spricht insgesamt vieles dafür, dass die Arbeitslosigkeit auch in der zweiten Jahreshälfte auf dem Rückzug bleiben wird. Das kann uns alle zuversichtlich stimmen."

weitere Informationen zum Thema

Weiterführende Informationen