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Schlaglichter der Wirtschaftspolitik - Monatsbericht 02/2008

Aktuelle Themen und Analysen

Für die Erde ins All - Satelliten für Erdbeobachtung und Kommunikation in Deutschland

Raumfahrttechnologie ist zum Schlüsselwerkzeug der modernen Industrie- und Informationsgesellschaft geworden. Sie gibt uns wichtige Instrumente zur Bewältigung entscheidender Herausforderungen des 21. Jahrhunderts in die Hand:

Erdbeobachtungssatelliten leisten weltweit Wetter-, Klima- und Umweltmonitoring mit höchster Präzision und ermöglichen die Überwachung der Emissionen von Treibhausgasen. Ohne Satellitennavigation ist kein moderner Verkehr mehr vorstellbar. Flugzeuge, Schiffe und auch der Straßenverkehr sind auf die Satellitennavigation angewiesen. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, deutsche Spitzenpositionen in der Weltraumforschung und -technologie auszubauen und den deutschen Unternehmen im europäischen und globalen Wettbewerb noch bessere Chancen zu bieten. Dazu setzt sie positive Rahmenbedingungen für die Industrie und fördert gezielt die Raumfahrtwissenschaft. Die Raumfahrt ist ein Schwerpunkt der Hightech-Strategie der Bundesregierung: 2008 werden 997 Mio. Euro zur Verfügung stehen, eine Steigerung von 50 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr.

Zwei Schwerpunkte des Raumfahrtprogramms der Bundesregierung sind die Förderung von Erdbeobachtungs- und Kommunikationssatelliten. Beide zeigen eindrucksvoll die technologischen Möglichkeiten der deutschen Raumfahrt und machen deren wirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Bedeutunganschaulich. Auf beiden Feldern ist es der  deutschen Raumfahrtforschung und -industrie gelungen, in Europa und weltweit Spitzenplätze zu belegen.

Erdbeobachtung aus dem Weltraum

Die Erdbeobachtung ist ein wichtiger Baustein bei der Lösung staatlicher und gesamtgesellschaftlicher Aufgaben und steht an der Schwelle zur breiten kommerziellen Anwendung.

Erdbeobachtungssatelliten ermöglichen hoch genaue Bilder, Messwerte und Höhendaten von jedem beliebigen Ort der Erde oder der Erdatmosphäre. Die gewonnenen Daten lassen sich auf vielfältigste Weise nutzen: Sie erlauben präzise Wettervorhersagen und helfen dadurch, kostenintensive Schäden in der Land- und Forstwirtschaft zu vermeiden und Umweltkatastrophen abzumildern. Langfristige Umwelt- und Klimaentwicklungen können kurzfristig erkannt werden, und es wird möglich, geeignete Maßnahmen zu entwickeln und zu überwachen. Die Beobachtung der Erdoberfläche ermöglicht genaue Erkenntnisse über Bodenbeschaffenheit, Vegetation und andere Details. Damit ist die Erdfernerkundung schon heute unverzichtbar für Ernteprognosen und -statistiken, zur Umweltbewertung und -erhaltung und zur Nutzung von Bodenschätzen. Besonders in der Prävention und Bewältigung von Krisen- und Katastrophensituationen ist die Erdfernerkundung unentbehrlich geworden. Überschwemmungen, Waldbrände, Seebeben oder Umweltkatastrophen lassen sich frühzeitig erkennen und sind genau lokalisierbar. Gegenmaßnahmen können früher ergriffen werden und bei der Bewältigung der Katastrophe erlaubt die Erdbeobachtung eine schnelle und präzise Einschätzung der Lage, so dass Hilfsmaßnahmen effizienter organisiert werden können. Daneben lassen sich mit der Erdbeobachtung exakte Daten für die Städte- und Raumplanung ermitteln und Karten mit größter Aktualität und Genauigkeit auch von schlecht erschlossenen Gebieten der Erde erstellen. Das macht die Erdfernerkundung zu einem auch für Sicherheitsfragen zunehmend interessanten Bereich. Diese Vielzahl von Anwendungsfeldern macht die Erdbeobachtung zu einer Schlüsseltechnologie bei der Entwicklung und Kommerzialisierung innovativer Produkte und Dienstleistungen.

Deutschland hat im Bereich der Erdbeobachtungssysteme eine Spitzenposition in Europa erreicht. Verantwortlich hierfür ist nicht nur die Exzellenz der deutschen Raumfahrtwissenschaft, sondern auch die enge Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Industrie. Zu den industriellen Partnern des DLR zählen neben deutschen mittelständischen Unternehmen auch die Systemführer OHB und EADS, letzteres ein "Global Player" mit Kernkompetenzen an Standorten in Deutschland.

Ziel der Politik des Bundeswirtschaftsministeriums ist es, die Führungsposition Deutschlands zu erhalten und auszubauen. Dazu fördert die Bundesregierung die deutsche Raumfahrtindustrie und -wissenschaft gezielt. Daneben hat sie ein neues Satellitendatensicherheitsgesetz verabschiedet und damit die geeigneten rechtlichen Rahmenbedingungen für die Erdbeobachtung geschaffen. Denn die ernorme Qualität der mittlerweile zur Verfügung stehenden Erdbeobachtungsdaten machte eine Regelung zur Wahrung der außen- und sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands erforderlich. Das Gesetz soll eine kommerzielle Nutzung der Daten kalkulierbar machen; langfristig wird so das Ziel erreicht, die Erhebung von Erdfernerkundungsdaten in privatwirtschaftliche Hand zu überführen und ein nachhaltiges Geschäftsfeld zu entwickeln.

Auf europäischer Ebene haben die Europäische Weltraumorganisation ESA und die EU das zurzeit weltweit größte Erdbeobachtungsprogramm GMES (Global Monitoring for Environment and Security) mit dem Ziel geschaffen, ein europäisches Netzwerk zur Erfassung und Auswertung von Umweltdaten zu erstellen. GMES wird maßgeblich zur Lösung staatlicher und gesellschaftlicher Aufgaben im Umweltschutz, im Katastrophenmanagement  und in Sicherheitsfragen beitragen. Deutsch land konnte bei GMES nicht zuletzt dank seiner starken Position bei den Erdbeobachtungssystemen die Führung übernehmen und so den Weltraumstandort Deutschland insgesamt stärken.

Daneben sind die nationalen Erdbeobachtungsmissionen TerraSAR-X, RapidEye, TanDEM-X und EnMAP von zentraler Bedeutung und unterstreichen den deutschen Führungsanspruch in der Erdbeobachtung. Sie dienen gleichermaßen der Etablierung starker kommerzieller Anwendungen sowie Wissenschaft und Forschung.

TerraSAR-X

Im Juni 2007 wurde der deutsche Radarsatellit TerraSAR-X erfolgreich vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. Damit hat die Kartierung der Erde in einer neuen Qualität begonnen.

TerraSAR-X wird mindestens fünf Jahre lang hochwertige Informationen über die Erdoberfläche liefern, die  sich für eine Fülle kommerzieller wie auch wissenschaftlicher  Anwendungen nutzen lassen. In den letzten 15 Jahren haben die technologischen Entwicklungen wesentliche Fortschritte bezüglich der Leistungsfähigkeit von Radar-Systemen zur Beobachtung der Erde vom Weltraum aus gebracht. Durch Projekte wie TerraSAR-X haben sich die deutsche Industrie und Forschung eine begehrte Spitzenposition in diesem international bedeutsamen Hochtechnologiegebiet gesichert. Mit TerraSAR-X wird in Deutschland erstmals ein Raumfahrtprojekt in öffentlich-privater Partnerschaft (public-private-partnership) unter erheblicher finanzieller Beteiligung der Industrie realisiert. Dieser Ansatz geht in wesentlichen Elementen über die bisher genutzten Möglichkeiten der Auftragsvergabe mit staatlicher Finanzierung hinaus und beruht auf partnerschaftlichem Projekt management. Beide Seiten bringen aufgrund ihrer unterschiedlichen Zielsetzungen Ressourcen ein, führen das Projekt gemeinsam durch und nutzen die Ergebnisse. Das führt zu drei entscheidenden Vorteilen: Projektinvestitionen werden möglich, die von einem Partner allein derzeit nicht finanzierbar wären. Die industrielle Vermarktung wird direkt angeschoben und unterstützt. Die Ziele der Wissenschaft lassen sich erfüllen.

TerraSAR-X umrundet die Erde in einer Höhe von 514 Kilometern auf einer polaren Umlaufbahn und liefert mit seiner aktiven Antenne Radardaten mit einer Auflösung von bis zu einem Meter unabhängig von Wetterbedingungen, Wolkenbedeckung und Tageslicht. Neben dem Radarinstrument fliegen zwei weitere Nutzlasten auf dem Satelliten: Das Laser Communication Terminal (LCT)1 sowie das Tracking, Occultation and Ranging Experiment (TOR), das aus einem Zweifrequenz-GPS-Empfänger besteht und eine hochexakte Bahnbestimmung des Satelliten mit bis zu 10 Zentimetern Genauigkeit erlaubt.

Die Gesamtkosten für den Satelliten belaufen sich auf 185 Mio. Euro. Davon sind 145 Mio. Euro über das DLR bereitgestellte Forschungsmittel des Wirtschaftsministeriums. Die restlichen 40 Mio. Euro steuert das Raumfahrtunternehmen Astrium bei, eine Tochter von EADS.

Das DLR steuert TerraSAR-X, empfängt die Radardaten, verarbeitet sie weiter und stellt sie danach Wissenschaftlern weltweit zur Nutzung zur Verfügung. Den Verkauf der Daten an kommerzielle Kunden übernimmt die EADS-Tochter Infoterra aus Friedrichshafen. Dabei soll die verfügbare Aufnahmekapazität des Satelliten je zur Hälfte kommerziell und wissenschaftlich genutzt werden.

RapidEye

RapidEye ist ein public-private-partnership zur Kommerzialisierung von Raumfahrttechnologie innerhalb des Deutschen Raumfahrtprogramms. Es besteht aus fünf baugleichen Satelliten mit optischen Sensoren und ca. 6,5 Metern Bodenauflösung. Die Sensoren zeichnen in fünf Kanälen von blau bis nahem Infrarot auf. In  sonnensynchroner  Umlaufbahn, die Überflüge zu einem für optische Aufnahmen immer gleichen günstigen Sonnenstand erlaubt, können die Satelliten alle Regionen der Erde mit einer Wiederholrate von einem Tag erfassen. Die Kombination aus guter Bodenauflösung und sehr guter zeitlicher Auflösung macht das System für Landwirtschaft, Versicherungen und Organisationen im Bereich der Katastrophenhilfe interessant.

Die Firma RapidEye AG ist aus der Kayser-Threde GmbH, München, hervorgegangen und besteht seit 1998. Der Ansatz von RapidEye ist weltweit bisher einzigartig: Die Firma trägt die Verantwortung für das gesamte Projekt. Der Bau, der Betrieb und die Datenaufnahmen ein schließlich weiterer Datenprodukte und -dienstleistungen werden von RapidEye gesteuert und zum Teil eigenständig durchgeführt. Auftragsarbeiten werden dabei von Surrey Satelliten Technology Ltd., Großbritannien, und der kanadischen MDA übernommen. Die Jena-Optronik GmbH ist für den Bau der Kameras verantwortlich.

Alle fünf Satelliten werden im Frühjahr 2008 vom Weltraumbahnhof Baikonur starten. Das System eignet sich hervorragend als Komplementärmission zu Terrar SAR-X, da durch die Kombination der Daten beider Systeme die Qualität der Produkte deutlich gesteigert wird. 

TanDEM-X

TanDEM-X steht für "TerraSAR-X addon for Digital Elevation Measurement" und ist das Ergänzungs- bzw. Folgeprojekt zu TerraSAR-X. Es besteht im Wesentlichen aus einem nahezu identischen Satelliten, der 2009 gestartet wird. Primäres Missionsziel ist die Erstellung eines einheitlichen globalen digitalen Höhenmodells (DEM) in einer bisher unerreichten Genauigkeit von zwei Metern Höhenauflösung in einem 12 x 12 Meter großen horizontalen Raster. Dies wird erreicht, in dem beide Satelliten, TerraSAR-X und TanDEM-X, in einem Formationsflug im äußerst geringem Abstand von nur wenigen hundert Metern ein gemeinsames, weltraumgestütztes SAR-Messgerät - ein Interferometer - bilden. Hierbei arbeitet im sogenannten bistatischen Betrieb ein Satellit jeweils als Sender und beide empfangen die zurück gestreuten Signale, die dann interferometrisch miteinander überlagert werden. Zur globalen Abdeckung ist ein 3-jähriger Parallelbetrieb im Formationsflug notwendig. Die hierbei erzeugte Datenmenge übersteigt alles bisher Dagewesene. Spezifische Adaptionen am Satelliten wie z. B. eine Einrichtung zur Synchronisation der Radarinstrumente oder eines Inter-Satelliten S-Band Links zur Verbindung der beiden Systeme vervollständigen das komplexe System TanDEM-X.

Neben dem 3 jährigen Parallelbetrieb mit TerraSAR-X wird der TanDEM-X Satellit für mindestens weitere zwei Jahre hochwertige Informationen über die Erdoberfläche liefern.

TanDEM-X soll die weltweite Führungsposition im Bereich der X-Band Radarforschung und -entwicklung ausbauen und absichern, die durch die erfolgreiche Teilnahme an internationalen Radar-Missionen wie SRTM (Shuttle Radar Topography Mission) auf dem Space-Shuttle im Jahre 2000 und die TerraSAR-X-Mission mit einem aktiven Radarinstrument zur Erzeugung hoch aufgelöster Bilder begründet worden ist.

EnMAP

Neben Radarsensoren und optischen Sensoren sind Hyperspektralsensoren die wichtigste und zugleich neueste Technologie im Bereich der Erdbeobachtungssatelliten. Hyperspektrale Systeme können bis zu mehrere hundert Spektralkanäle aufzeichnen und erlauben so eine eindeutige Identifizierung von Oberflächenmerkmalen wie z. B. Mineralien und Vegetation. Mit über 200 Messkanälen, einer vergleichsweise hohen räumlichen Auflösung und kurzen Beobachtungsintervallen hebt sich EnMAP (Environmental Mapping and Analysis Program) von allen existierenden ähnlichen Satellitensystemen ab und wird so den Spitzenplatz der deutschen Erdbeobachtung auch im Bereich der Hyperspektralsensoren festigen.

An Bord des Satelliten befindet sich ein abbildendes Hyperspektralinstrument, bestehend aus einem Teleskop mit drei Spiegeln (Three Mirror Assembly - TMA) sowie einer Prismen-Spektrographeneinheit. Das Instrument deckt den visuellen (VNIR - 420 - 1030 nm) und den  kurzwelligen Infrarotbereich (SWIR - 950 - 2450 nm) mit rund 10 nm pro Pixel ab und scannt den Erdboden aus einem sonnensynchronen, polaren Orbit auf einer Höhe von rund 650 km. Dabei bilden die beiden Detektoren pro Pixel ein Feld von 30 x 30 Metern ab und erzeugen Datenstreifen von 30 km Breite und 5.000 km Länge pro Tag. Ein bestimmtes Gebiet kann auf diese Weise alle vier Tage beobachtet werden. Eine globale Abdeckung ist innerhalb von 23 Tagen möglich. Damit ist EnMAP ab dem Start im Jahre 2011 in der Lage, weltweit und relativ zeitnah  Ökosystemparameter sowie biophysikalische, biochemische und geochemische Variablen spektral zu bestimmen. Neben Umwelt-, geologischen und landwirtschaftlichen Anwendungen können damit die Auswirkungen von Naturkatastrophen sowie Land- und Wasserverschmutzungen ermittelt werden.

Die Kayser-Threde GmbH, München, ist als Hauptaufragnehmer für Entwicklung und Management des Gesamtsystems und des Hyperspektralsensors verantwortlich. OHB-System/Bremen liefert als Unterauftragnehmer die Satellitenplattform.2 Das DLR in Oberpfaffenhofen wird den Satelliten betreiben. Das Bundeswirtschaftsministerium finanziert EnMAP als ein rein wissenschaftliches, nationales Projekt mit insgesamt etwas über 100 Mio. Euro.

Satellitenkommunikation in Deutschland

Satelliten sind für die großflächige Informationsverteilung unverzichtbar. Zwar konkurriert die satellitengestützte Informationsinfrastruktur mit Glasfaserverbindungen und terrestrischen Mobilfunknetzen. In Zukunft aber werden Satelliten die beiden vorhandenen Technologien verstärkt als unverzichtbares Element ergänzen. Zukünftige Satellitensysteme werden besonders bei Multimediaanwendungen, mobiler Kommunikation und mobilem Internet zur Ergänzung der terrestrischen Netze beitragen.

Die Satellitenkommunikation erbringt unter Berücksichtigung kompletter Wertschöpfungsketten die höchste Hebelwirkung beim Einsatz öffentlicher Mittel in der Raumfahrt. Sie ist der mit Abstand erfolgreichste kommerzielle Raumfahrtsektor. Die Industrie setzt allein in Deutschland mit etwa 1.800 Mitarbeitern 500 Mio. Euro jährlich um und erwirtschaftet etwa 50 % des Umsatzes der gesamten deutschen Raumfahrtindustrie. Die Wertschöpfung insgesamt ist weitaus höher: Dies wird aufgrund zunehmender Nachfrage nach breitbandigen Kommunikations-Dienstleistungen mit der Vermarktung von Endgeräten und Dienstleistungen erreicht.

Durch die gezielte Förderpolitik der Bundesregierung hat die deutsche Raumfahrtindustrie bei der Satellitenkommunikation weltweit Marktanteile erobert, globale Wettbewerbsfähigkeit erlangt und ist als kompetenter Partner geschätzt.

Die wirtschaftliche Perspektive dieser Technologie wird auch weiter Leitmotiv der Förderung sein: Die Position Deutschlands soll ausgebaut werden. Deutsch land soll beim Bau von Kommunikationssatelliten wieder eine eigenständige Systemfähigkeit erreichen. Dies bedeutet, dass eine Firma die "Regie über das komplette Produkt", von der Entwicklung bis zur Vermarktung an den Endkunden, inne hat.

Das BMWi konzentriert seine Förderung hier auf besonders zukunftsweisende Technologien. Zwei Projekte werden im Folgenden näher dargestellt:

Optische Kommunikation durch Laserterminals (LCT3)

Normalerweise erhalten Satelliten Daten über Bodenstationen und verteilen sie dann weiter zum Nutzer. Dabei müssen Informationen teilweise auch mehrfach zwischen Bodenstationen und Satelliten ausgetauscht werden. Das kostet Zeit und Geld. Die Satelliten untereinander können auch Daten über eine Mikrowellenverbindung austauschen. Beide Übertragungswege sind an Funkfrequenzen gebunden, die weltweit nur aufwändig koordinierbar sind, damit Störungen anderer Nutzer weitestgehend ausgeschlossen werden. Die übertragbaren Datenmengen sind stark abhängig von der verfügbaren Band breite und liegen abhängig von den verfügbaren Frequenzen teilweise nur im Mbit/s Bereich.

Doch Abhilfe ist in Sicht: Die Erprobung der benötigten high speed-Kommunikationsverbindungen durch laseroptische Inter Satellite Links (ISL) steht kurz vor dem Abschluss. Dazu hat das DLR im Auftrag des BMWi bei der Firma Tesat in Backnang zwei Laser Communication Terminals (LCT) mit einer Übertragungsrate von 5,6 Gbit/s entwickeln lassen. 5,6 Gbit entsprechen der Übertragung des Inhalts von mehr als 200.000 DIN A4-Seiten in einer Sekunde. Die LCTs fliegen als Experimentnutzlasten auf dem deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X sowie im Rahmen einer deutsch-amerikanischen Kooperation auf dem amerikanischen Testsatelliten NFIRE. Das erste LCT wurde mit NFIRE am 24. April 2007 gestartet und erfolgreich in Betrieb genommen.

Das zweite LCT an Bord von TerraSAR-X hat die ersten Tests erfolgreich bestanden. Nach  Inbetriebnahme von TerraSAR-X im Juni 2007 wurden ab Sommer 2007 zu - nächst Tests vom Satelliten zu einem LCT-Bodenterminal, dem sogenannten "Space to Ground Link" (SGL), durchgeführt. Der erste Teil der Messkampagne wurde im Oktober erfolgreich mit einer Bodenstation in Teneriffa und auf dem Calar Alto in Spanien abgeschlossen. Der Laser des Terminals auf dem TerraSAR-X konnte empfangen und nachgeführt werden. Anschließend wurde begonnen, die Leistungsfähigkeit der neuen Lasertechnik mit den ISL-Verbindungen zwischen den Satelliten NFIRE und TerraSAR-X zu demonstrieren. Diese Tests laufen noch (vgl. Abb. 4 "Datenrelais: NFIRE mit LCT auf TerraSAR-X": Pdf zum Monatsbericht S. 16).

Breitbandige Verbindungen zwischen Satelliten werden künftig sowohl für die Vernetzung der geostationären Satelliten als auch für die Verbindungen zu Plattformen in niedrigeren Orbits benötigt, um den wachsenden Bedarf an Kapazitäten für die Datenübertragung in den Bereichen Telekommunikation, Navigation, Erdbeobachtung, Wetter und bemannte Raumstation bedienen zu können. Die dafür erforderliche schnelle Verfügbarkeit von großen Datenmengen ist mit den heute üblichen Systemen zur Datenübertragung nicht zu realisieren. Deshalb ist es aus Sicht des BMWi von strategischer Bedeutung für den High-Tech-Standort Deutschland, die technischen Möglichkeiten der Laserkommunikation und die diesbezüglichen Kompetenzen weiterzuentwickeln und zu nutzen. Deutschland hat sich mit dem LCT eine weltweite technologische Spitzenstellung erarbeitet.

Satellitenprogramm SGEO

In den letzten Jahren hat sich ein neuer Markt für kleine, geostationäre4 Telekommunikationssatelliten etabliert. Kleine Satelliten sind vor allem wegen der vergleichsweise kurzen Bauzeit von weniger als zwei Jahren für die Betreiber attraktiv, die schnell auf neue Marktchancen reagieren wollen. Sie erleichtern auch den Markteintritt für kleine regionale Anbieter, die nicht das Risiko hoher Vorinvestitionen in Kauf nehmen müssen. Sie können ihr Geschäft mit kleinen Satelliten stufenweise aufbauen. Diese SGEOs haben eine Nutzlastmasse von etwa 300 kg mit einer Nutzlastleistung von typischerweise 3 kW. Dies ergibt eine Startmasse kleiner 3 Tonnen. Geostationäre Satelliten können bis zu 7 Tonnen wiegen und sind mit entfalteten Solargeneratoren teilweise über 50 m lang.

SGEOs bedienen ein breites Spektrum ziviler Dienstleistungen wie z. B. Breitband-Internet und Standard TV Übertragungen. Satelliten dieser Leistungsklasse können darüber hinaus Verteidigungsaufgaben erfüllen, z.B. die Kommunikation zwischen Führung und mobilen Einsatzkräften im Ausland sowie die Steuerung von Flotten unbemannter Flugkörper (UAVs).

Bisher wird das lukrative Nischensegment erfolgreich von US-amerikanischen und indischen Anbietern bedient. Auch China drängt in diesen Markt. Diese internationale Konkurrenz wird durch militärische Förderprogramme in großem Umfang gestützt und kann sich da durch deutliche Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Gezielte Technologieförderung kann dazu beitragen, dass Deutschland und Europa in diesem strategisch wichtigen Bereich international wieder Spitzenniveau erreichen.

Auf Initiative Deutschlands legte die Europäische Weltraumorganisation ESA bei ihrer Ministerkonferenz im Dezember 2005 in Berlin den Grundstein für ein neues Telekommunikationsprogramm mit der Bezeichnung "ARTES 11". Dies ist ein großer Erfolg der Raumfahrtpolitik des BMWi, da Deutschland mit dem Programm wieder Systemfähigkeit für geostationäre Satelliten erhält.

Der Vertrag zum Bau der Satellitenplattform für ARTES 11 wurde im März 2007 zwischen der ESA und der Bremer Firma OHB als Hauptauftragnehmer unterzeichnet. Der Start des ersten SGEO-Satelliten ist für Anfang 2011 vorgesehen.

Raumfahrtagenturen, Institute und die Industrie diskutieren bereits neue Einsatzmöglichkeiten für diese geostationäre Satellitenplattform, die über reine Telekommunikationsanwendungen hinaus gehen. Sie sollen auch wissenschaftliche und Erdbeobachtungsmissionen umfassen. Die hohe Anpassungsfähigkeit der Plattform an Kundenwünsche (Nutzlast, Höhe des Orbits, Auswahl unter verschiedenen Trägerraketen) erleichtert die Einführung innovativer Technologien. Diese bieten neue Lösungen für die anspruchsvollen Herausforderungen der Weltraumforschung und für kommerzielle Raumfahrtanwendungen.

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[1] S. dazu den Abschnitt "Satellitenkommunikation in Deutschland."
[2] D.h. den Satelliten mit Antrieb und Steuerung ohne die Nutzlast (Hyperspektralsensor)
[3] LCT: Laser Communication Terminals
[4] Geostationär: Umlaufbahn in einem Abstand von ca. 36.000 km über der Erdoberfläche. Die Umlaufbahn wird häufig für Fernseh- und Kommunikationssatelliten verwendet, da der entsprechende Satellit immer ein bestimmtes, festgelegtes Gebiet der Erde erreichen kann. (SGEO: Small GEO Satellite).



Weiterführende Informationen

Downloads

Schlaglichter der Wirtschaftspolitik

Monatsbericht 02/2008 PDF: 6 MB



BMWi im Überblick