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Schlaglichter der Wirtschaftspolitik - Monatsbericht 04/2008

Aktuelle Themen und Analysen

Maritime Wirtschaft - eine Zukunftsbranche

Die maritime Wirtschaft ist ein dynamisch wachsender Wirtschaftszweig und von herausragender Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Technologie-, Produktions- und Logistikstandort. Die deutsche Schiffbau- und die Schiffbauzulieferindustrie gehören zu den Weltmarktführern, auch die in ganz Deutschland ansässigen Firmen der Meerestechnologie bieten internationale Spitzenleistungen, ebenso wie die maritimen wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen. Die Unternehmen dieser Branche stehen vor der Herausforderung, diese führende Stellung angesichts eines stetig zunehmenden globalen Wett bewerbs zu halten und auszubauen. Sie dabei zu unterstützen, ist Ziel der maritimen Politik der Bundesregierung. Hierzu stehen umfangreiche Förder- und Forschungsprogramme zur Verfügung. Ein weiteres Handlungsfeld ist die Förderung von Ausbildung und Nachwuchssicherung, damit der maritimen Wirtschaft auch in Zukunft gut ausgebildetes Personal ausreichend zur Verfügung steht.

Zur Lage des maritimen Sektors in Deutschland

Der seit Jahren stark und stetig expandierende Welthandel - Stichwort Globalisierung - ist ohne die maritime Wirtschaft nicht denkbar. Dies zeigt sich gerade auch in Deutschland, der weltweit nach den USA zweitgrößten Handelsnation: Die Nachfrage nach Schiffsraum und der Güterumschlag in den deutschen Seehäfen boomen. Auch im deutschen Schiffbau, in der Schiffbauzulieferindustrie und in der meerestechnischen Industrie machen sich diese Entwicklungen deutlich bemerkbar: die Auftragsbücher für die nächsten Jahre sind gefüllt.

Schiffbau

Die deutschen Werften verzeichneten in den vergangenen drei Jahren einen Auftragsboom wie seit 1990 nicht mehr. Die Orderbücher sind für die nächsten dreieinhalb Jahre gefüllt und sichern eine hohe Auslastung der Produktionskapazitäten. Im Jahr 2007 konnten laut Angaben des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) Aufträge im Wert von knapp 15 Mrd. EUR akquiriert werden. Deutschland liegt gemessen am Auftragsbestand und den Ablieferungen auf Platz vier hinter Welt marktführer Korea sowie Japan und China. Um sich auf dem Weltmarkt weiterhin erfolgreich zu behaupten, muss sich der deutsche Schiffbau auf die Entwicklung und den Bau neuer, hochkomplexer Schiffe konzentrieren. Dazu zählen Spezialschiffe, wie Doppelhüllentanker, Fähren, Kreuzfahrtschiffe oder Megayachten.

Eine Tabelle zur Entwicklung des deutschen Seeschiffbaus finden Sie auf Seite 36 des Monatsberichts 04/2008.

Marineschiffbau

Mit den konventionellen U-Booten, Überwasserkampfschiffen bis Fregattengröße und Minenabwehrreinheiten verfügen die deutschen Marinewerften über unverzichtbare wehrtechnische Kernfähigkeiten und Systemkompetenzen sowie führende Marktpositionen.

Bisher bildeten die Aufträge in diesem Bereich die Grundlage für die System- und Wettbewerbsfähigkeit der Werften und sicherten den Erhalt von Kernfähigkeiten und eine Mindestauslastung der Marine schiff baukapazitäten.

Aufgrund der geringeren Bedarfs in der Deutschen Marine nach neuen Marineschiffen ist die volle Auslastung der Konstruktions- und Fertigungskapazitäten der deutschen Werften in diesem Bereich jedoch nicht mehr allein durch nationale Aufträge gegeben. Um sich der zukünftigen Situation anzupassen, waren in diesem Bereich strukturelle Veränderungen notwendig. Mit der Bildung des Werftenverbundes unter Führung der ThyssenKrupp Marine Systems AG (TKMS) und mit der Integration des strategisch bedeutenden Marineelektronikzulieferers Atlas Elektronik wurde ein wichtiger Schritt zur nationalen Konsolidierung im Marineschiffbau getan.

Schiffbauzulieferindustrie

Noch umsatzstärker als die Werftindustrie selbst ist die deutsche Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie. In Deutschland gibt es etwa 400 zuliefernde maritime Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, die nicht nur in den Küstenländern, sondern vielfach auch in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen beheimatet sind.

Im Jahr 2006 realisierte die deutsche Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie mit rund 72.000 Mitarbeitern - rund dreimal so viele wie im Werftbereich - einen Umsatz von rund 10,5 Mrd. EUR, ein Ergebnis, das 2007 erneut um rund 10% verbessert werden konnte. Die Branche ist mindestens bis zum Jahr 2010 überdurchschnittlich gut ausgelastet. Ihre Exportquote liegt bei ca. 75%; Deutschland ist damit nach Japan weltweit der zweitgrößte Exporteur im Zulieferbereich. Die Zulieferindustrie profitiert dabei maßgeblich von Know-how-Vorsprüngen, die es zu sichern und weiter auszubauen gilt.

Meerestechnische Industrie

Ob Umwelt-, Klimaschutz oder Ressourcengewinnung aus dem Meer, der Meerestechnik kommt in Zukunftinternational weiter steigende Bedeutung zu. Auch in vielen nichtschiffbaulichen Bereichen verfügen deutsche Unternehmen über technologische Kernkompetenzen, auf denen weiter aufgebaut werden muss. Die deutsche meerestechnologische Industrie verfügt über das Potenzial, ihren zu geringen Weltmarktanteil von zur Zeit etwa 3% zu erhöhen. Anzustreben sind hierbei ein verstärktes Angebot von Systemlösungen und eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Bereiche mit großen Zukunftschancen bilden unter anderem die maritime Umwelttechnik, die Polartechnik sowie die Offshore-Technik für die Öl- und Gasgewinnung und die Gewinnung von mineralischen Rohstoffen am Meeresboden. Auch der Offshore-Windenergiebereich sowie die Energiegewinnung auf See stellen zentrale Zukunftsfelder dar. Die Bundesregierung fördert daher zahlreiche dieser viel versprechenden Bereiche im Rahmen ihrer Hightech-Strategie.

Hafenwirtschaft

Seehäfen sind wichtige Bestandteile der weltweiten Logistikkette, Träger von Innovationen und zugleich Jobmotoren für die Küstenregionen. 500.000 Arbeitsplätze sind nach vorläufigen Erhebungen des Zentralverbandes Deutscher Seehafenbetriebe hierzulande direkt oder indirekt hafenabhängig. Der deutsche Ex- und Import läuft zum großen Teil über die deutschen Seehäfen. 2007 (Januar bis Oktober) ist der Seegüterumschlag der deutschen Häfen erneut um 3,9% gewachsen, eine Zunahme von rund 10 Mio. Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr ist mit einem Rekordumschlagsergebnis von etwa 315 Mio. Tonnen zu rechnen. Um die dynamisch steigenden Güterumschlagsmengen, vor allem im Containertransport, in den Häfen bewältigen zu können, wird in den deutschen Seehäfen erheblich investiert. Bis 2012 sind Investitionen von insgesamt 12,6 Mrd. EUR vorgesehen - davon 3,2 Mrd. EUR für den Ausbau der Terminals durch die Hafenwirtschaft, 4,3 Mrd. EUR durch die Küstenländer für den Ausbau der Hafeninfrastrukturen sowie 5,1 Mrd. EUR durch den Bund für den Ausbau der seewärtigen Zufahrten und Hinterland an bindungen der deutschen Seehäfen. Zukünftig sind bei den Seehäfen vor allem eine Verbesserung der Hafenstrukturen sowie der leistungs- und bedarfsgerechte Ausbau seewärtiger Zufahrten und Hafenhinterlandanbindungen umzusetzen. Mit dem Investitionsrahmenplan 2006-2010 und mit einem vereinfachten Planungsrecht konnten dafür bereits wichtige Voraussetzungen geschaffen werden.

Eine Tabelle zum Seegüterumschlag deutscher Häfen finden Sie auf Seite 37 des Monatsberichts 04/2008.

Seeschifffahrt

Die von deutschen Reedern kontrollierte Handelsflotte hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt und ist heute hinter Griechenland und Japan die drittgrößte der Welt, noch vor China und den USA. 380 deutsche Schifffahrtsgesellschaften bereedern gegenwärtig nahezu 3200 Handelsschiffe. Die deutsche Handelsflotte ist 2007 um 6,4% gegenüber dem Vorjahr gewachsen und umfasst eine Gesamttonnage von knapp 64,5 Mio. BRZ [27]. Im Bereich der Containerschifffahrt verfügt Deutschland sogar über die größte und modernste Flotte. Die Zahl der bereederten Containerschiffe stieg 2007 um 15% auf nahe zu 1500 Schiffe mit einer Stellplatzkapazität von 3,5 Mio. TEU [28].

Weltweit stark wachsende Sparten sind auch der Fährschiff- und Kreuzfahrtschiffbereich. Der Bedarf steigt gerade auch auf dem europäischen Markt rasant, sodass hier mit weiteren Anstiegen in der Seeschifffahrt und auch bei den Schiffbauaufträgen zu rechnen ist.

Die maritime Politik der Bundesregierung

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt: Deutschland verfügt, vor allem auch dank seiner qualifizierten Arbeitskräfte, über ein enormes Leistungspotenzial in allen Sektoren der maritimen Wirtschaft. In vielen Bereichen liegen deutsche Unternehmen weltweit an der Spitze. Ziel der maritimen Politik der Bundesregierung ist es, den maritimen Hightech-Standort Deutschland - angesichts des stetig zunehmenden internationalen Wett bewerbs - weiter zu stärken. Es ist hierbei von zentraler Bedeutung, Forschung und Entwicklung, Innovation, Aus- und Fortbildung und Nachwuchssicherung sowie Umwelt- und Klimaschutz weiter voranzubringen. Sie sind für die maritime Wirtschaft der Schlüssel für die Zukunft.

Ein exportorientiertes Land wie Deutschland muss die maritime Wirtschaft als nationale Angelegenheit betrachten. Der ressort- und länderübergreifenden Bedeutung der maritimen Wirtschaft hat die Bundesregierung dabei mit der Bestellung einer maritimen Koordinatorin Rechnung getragen. Diese Aufgabe wird von der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), Dagmar Wöhrl, MdB, wahrgenommen. Zu ihrem Aufgabenbereich gehört die Koordinierung und Bündelung der Maßnahmen der Bundesregierung zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland in den Bereichen Schiffbau, Seeschifffahrt, Hafenwirtschaft und Meerestechnik. Die Koordinatorin sieht ihre Rolle unter anderem darin, die Abstimmungsprozesse der in den jeweiligen Zuständigkeiten der Ressorts liegenden Politikansätze moderierend zu unterstützen und zu beschleunigen.

Eine Tabelle zur Entwicklung der deutschen Handelsflotte finden Sie auf Seite 38 des Monatsberichts 04/2008.

Maritime Konferenzen

In Deutschland haben sich die Nationalen Konferenzen zum wichtigsten maritimen Wirtschafts- und Politik-Forum entwickelt. Die 5. Nationale Maritime Konferenz im Dezember 2006 in Hamburg hat erneut gezeigt: Die maritime Wirtschaft ist eine hoch innovative und zukunftsorientierte Branche von großer gesamtwirtschaftlicher Bedeutung mit enormem Potenzial und hervorragenden Wachstums- und Beschäftigungschancen.

Im Ergebnis der Konferenz sind zahlreiche Initiativen erfolgreich in Angriff genommen worden. So wurde im Rahmen der nationalen Zukunftsstrategie "LeaderSHIP Deutschland" für den Schiffbau eine Arbeitsgruppe aus Entscheidungsträgern der deutschen Schiffbauindustrie, des Sozialpartners IG Metall sowie des Bundes und der Küstenländer eingerichtet, die die Aufgabe hat, in einem konstruktiven Dialog die essenziellen Elemente einer Zukunfts strategie der deutschen Schiffbauindustrie zu identifizieren mit dem Ziel, höhere Investitionen und verstärkte Anstrengungen im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE), Innovation und bei der Ausbildung von Fachkräften zu erreichen. So ist im Frühjahr 2007 beispielsweise eine länderübergreifende Hochschulkooperation zur Si cherung des Bedarfs an qualifizierten Schiffbauingenieuren initiiert worden. Ein Schwerpunkt dieser Arbeits gruppe liegt zudem im Umwelt- und Klima schutz, die für die künftige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Schif fbau und in der Meerestechnik von zentraler Bedeutung sind.

Das "Maritime Bündnis" in der Seeschifffahrt, eine Initiative der Bundesregierung, der Gewerkschaft ver.di, des Verbandes der deutschen Reeder und der Küstenländer zur verstärkten Schaffung von Arbeitsplätzen und attraktiver beruflicher Perspektiven in der Schifffahrtbranche, wird fortentwickelt werden. Das gilt ebenso für die nationale Hafenpolitik. Sie strebt unter anderem den gezielten und koordinierten Ausbau der seewärtigen und landseitigen Anbindung deutscher Häfen und die Reduzierung internationaler Wettbewerbsverzerrungen und Harmonisierungsdefizite auf europäischer Ebene an.

Ferner wurde im April 2007 das deutsche CIRR-System (Commercial Interest Reference Rate) auf nationaler Ebene auch für den hiesigen Schiffbau eingeführt. Dieses Festzinskreditsystem stellt eine staatliche Hilfe zur Anpassung an die internationalen Marktbedingungen und zur Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen für die Akquisition von Schiffbauaufträgen dar. Schließlich steht die Bundesregierung auch zur ihren Zusagen bezüglich der Beibehaltung der Tonnagesteuer und zur Senkung der Lohnzusatzkosten (Lohnsteuereinbehalt). Die Reeder haben sich im Gegenzug verpflichtet, bis En de 2008 weitere 100 Schiffe durch Ein- und Rückflaggung unter deutscher Flagge zu bringen.

Neben den nationalen Initiativen gibt es eine Reihe von Aktivitäten auf europäischer Ebene. So wurden unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft im Mai 2007 industriepolitische Ratsschlussfolgerungen für den europäischen Schiffbau verabschiedet, die unter anderem die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Schiffbaus, die Bewältigung des Strukturwandels, den Aufbau eines europäischen Systems von Leistungsgarantien für Schiffsfinanzierungen sowie die Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation betreffen. Auch die erste Europäische Schiffbaukonferenz unter Beteiligung von Bundesminister Michael Glos, EU-Kommissar Günter Verheugen und der Maritimen Koordinatorin Dagmar Wöhrl vom Juni 2007, bei der es um grundlegende Fragen der Sicherung der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Schiffbaus ging, hat europaweit große Beachtung gefunden.

"Nationaler Masterplan Maritime Technologien"

Im Ergebnis der 5. Nationalen Maritimen Konferenz wurde festgelegt, einen "Nationalen Masterplan Maritime Technologien" zu erstellen, um die Entwicklung der meerestechnischen Industrie in den nächsten Jahren effektiver zu unterstützen. Ziel ist die Erarbeitung von Empfehlungen für eine künftige abgestimmte maritime Technologiepolitik von Bund und Ländern.

Der nationale Masterplan erfordert eine enge Zusammenarbeit aller betroffenen Ressorts (Bildung und Forschung (BMBF), Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU); federführend BMWi), in Planungs- und Arbeitsgruppen sowie die Ein be ziehung von Institutionen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Mit dem Nationalen
Masterplan Maritime Technologien sollen strukturelle Entwicklungs möglich keiten insbesondere im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation sowie Chancen für deutsche Unter nehmen und Institutionen im internationalen Wettbewerb für maritime Technologien aufgezeigt werden. Ziel ist ein Aktionsplan mit Handlungsempfehlungen für konkrete Teilbereiche der maritimen Technologien unter Be rücksichtigung wirtschaftlicher und nachhaltiger Er folgs aussichten. Der Masterplan soll ferner Grundlage für eine stärkere Vernetzung von Teilbereichen und die Bildung von Clustern sein, um Kernkompetenzen von Wirtschaft und Wissenschaft und Forschung zu identifizieren und zu bündeln.

Förderung von Innovation, Forschung und Entwicklung in der Maritimen Wirtschaft

Innovation, Forschung und Entwicklung im Schiffbau, Schifffahrt und Meerestechnik sind wesentliche Voraussetzungen für das Bestehen im internationalen Wettbewerb im Zuge der fortschreitenden Globalisierung. Die deutsche maritime Wirtschaft wird ihre hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit nur dann halten können, wenn sie an der Spitze der technologischen Entwicklungen steht. Deshalb muss verstärkt und zielgerichtet in Forschung und Entwicklung investiert werden. Innovationen gilt es zügig in marktfähige Produkte umzusetzen.

Hierbei sind in erster Linie die Unternehmen selbst gefordert. Die Bundesregierung wird den Prozess, Deutschland zu einem maritimen Hightech-Standort auszubauen, unterstützen und forcieren. Schiffbauliche und maritime Forschungs- und Innovationsförderprogramme sollen dazu beitragen, die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Branche zu stärken.

Das BMWi fördert auf vielfältige Weise Produkt- und Prozessinnovationen in der deutschen Werftindustrie. Mit dem Programm "Innovativer Schiffbau sichert wettbewerbsfähige Arbeitsplätze" wird der Bau neuer Schiffstypen, neuer Schiffskomponenten und -systeme sowie neuer Verfahren im Schiffbau gefördert, um so die hohen technischen und wirtschaftlichen Risiken beim Bau von Prototypen, die im Schiffbau immer zugleich auch kommerziell verwertet werden müssen, zu mindern. Das Ziel des Förderprogramms "Schifffahrt und Meerestechnik für das 21. Jahrhundert" besteht darin, in der deutschen schiffs- und meerestechnischen Industrie verstärkt Anreize für Forschung und Entwicklung zu schaffen. Technologische Vorsprünge sind für den deutschen Schiffbau existenziell im Wettbewerb mit den rasant expandierenden Schiffbauindustrien insbesondere in Ostasien. In der Meerestechnik gilt es, den Beitrag deutscher Unternehmen im Rahmen von Leistungen aus einer Hand weiterzuentwickeln, auch durch eine fachübergreifende enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Wissenschaft. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um die Position der deutschen meerestechnischen Industrie in diesem Wachstumsmarkt zu stärken. Mit der auf den Weg ge brachten Förderinitiative "Innovative Seehafentechnologien - ISETEC II" werden zukunftsweisende technologische Innovationen beim Seehafenumschlag unterstützt und ein Beitrag zur Verbesserung der Intermodalität, der Kombination verschiedener Ver kehrsträger im Güterverkehr, geleistet.

Eine Grafik zu diesen Programmen finden Sie im Monatsbericht 04/2008 auf Seite 40.

Bildung, Ausbildung und Nachwuchssicherung

Die Zukunftschancen der maritimen Branche können nur dann genutzt werden, wenn der Bedarf an Fachkräften und Ingenieuren dauerhaft gedeckt wird. Dazu soll stärker auf die Schlüsselrolle und Zukunftsfähigkeit dieser Branche aufmerksam gemacht und für Ausbildung und Beschäftigung in diesem Bereich geworben werden. Im Seeverkehrsbereich werden neben dem Abbau von Engpässen beim seemännischen Fachpersonal nationale Initiativen zur Schaffung von Kapazitäten und zur Verbesserung der nautischen und schiffstechnischen Ausbildung in Angriff genommen.

Auch auf der 5. Nationalen Maritimen Konferenz standen Lösungsansätze unter anderem zur Schließung der bestehenden Ingenieurslücke im Schiffbau und der Schiffbauzulieferindustrie im Fokus. Eine länderübergreifende Arbeitsgruppe "Schiffbauliche Hochschulausbildung und Forschung" wird zur nächsten maritimen Konferenz einen Bericht zur Ausbildungssituation an den schiffbaulichen Hochschulen und einen Maßnahmenkatalog vorlegen.

In letzter Zeit konnte eine steigende Tendenz bei der Nachfrage nach schiffbautechnischen Studienplätzen verzeichnet werden. Diese positive Entwicklung muss nachhaltig unterstützt werden. Dies beinhaltet auch, dass den Studierenden bessere Voraussetzungen zum erfolgreichen Abschluss des Studiums und gute Berufs perspektiven geboten werden. So wird versucht, attraktive neue Ausbildungsangebote, zum Beispiel mit dualen Studienmodellen, zu schaffen und standortunabhängig anzubieten. Derzeit wird das Verbundforschungsvorhaben "Netzwerk Schiffs- und Meerestechnik" (maring) vom BMBF in Kofinanzierung mit einigen Bundesländern mit einer Gesamtsumme von rund 3,1 Mio. EUR gefördert. Ziel ist es, die differenzierten schiffs- und meerestechnischen Kompetenzen gebündelt in den beteiligten Hochschulen unter Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologie ortsunabhängig und flexibel bereitzustellen.

Verstärkte Anstrengungen gibt es auch, um den Mangel an nautischem und seemännischem Fachpersonal zu überwinden. Das BMVBS fördert seit 2001 die Ausbildung von Schiffsmechanikern mit 25.000 EUR je Ausbildungsplatz, ferner unterstützt der VDR (Verband deutscher Reeder) die Besetzung von Ausbildungsplätzen zusätzlich mit 10.000 EUR je Platz (nur für VDR-Mitglieder). Außerdem fördert der VDR den Ausbau von Fachschul- und Studien plätzen in den Küstenländern mit jeweils 1 Mio. EUR jährlich für zunächst drei Jahre (2007 bis 2009). Im Gegenzug er höhen die Bundesländer ihre Ausbildungskapazitäten.

Es kommt jetzt darauf an, die Kapazitäten der seemännischen Ausbildungsstätten langfristig zu erhalten und so weit wie möglich zu erweitern. So wurde im Januar 2008 mit dem Bau des Maritimen Kompetenz zentrums in Leer begonnen, dessen Herzstück ein Schiffsführungssimulator ist. Dieses Aus- und Weiterbildungszentrum wird durch private, kommunale und EU-Mittel finanziert. Auch für den Hafenbereich gingen von der 5. Nationalen Maritimen Konferenz wichtige beschäftigungspolitische Impulse aus. Die Hafen- und Logistikbetriebe der deutschen Seehäfen wollen bis zum Jahr 2012 etwa 2.800 Langzeitarbeitslosen eine neue Be schäftigungsperspektive bieten. Der Zentralverband der deutschen See hafen betriebe hat dazu in Zusammenarbeit mit dem BMVBS und der Bundesagentur für Arbeit eine Qualifizierungs offensive für die betroffene Personengruppe gestartet.

Fazit

Bund und Länder betrachten die maritime Wirtschaft als einen Schlüsselsektor der deutschen Volkswirtschaft. Ihn angesichts des zunehmenden globalen Wettbewerbs weiter zu stärken, ist zentrales Ziel der Politik, die in enger Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Wissenschaft konzipiert und umgesetzt wird. Der erfolgreiche Dialog zwischen maritimer Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wird daher weiter gestärkt werden. Hierzu gehört - neben den Erfolgsmodellen "Maritimes Bündnis" und "Leader -SHIP Deutschland" - unter anderem die Ent wick lung des "Nationalen Masterplans Maritime Technologien".

Die Nationalen Maritimen Konferenzen sind und bleiben ein fester Bestandteil der maritimen Politik der Bundesregierung. Die dort angeregten konstruktiven Dialoge haben die Kooperation zwischen den einzelnen Gliedern der maritimen Wertschöpfungsketten intensiviert. Die zunehmende Vernetzung aller Beteiligten ist Voraussetzung für die Zukunftsbranche Maritime Wirtschaft. Das nächste große Ereignis in diesem Rahmen wird die 6. Nationale Maritime Konferenz sein, zu der die Bundeskanzlerin einladen wird und die voraussichtlich Anfang 2009 stattfinden wird. Auch für dieses Treffen erwartet die Bundesregierung einen erfolgreichen Dialog zwischen maritimer Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

[27] Bruttoraumzahl, Maß für die Gesamtgröße von Schiffen (ersetzte die früher übliche Maßeinheit BRT / Bruttoregistertonne).
[28] "TEU" (Twenty Feet Equivalent Unit) = genormte Großraumbehälter (Seefracht-Container), mit denen das Verladen, Befördern, Lagern und Entladen von Gütern vereinfacht und beschleunigt wird



Weiterführende Informationen

Downloads

Schlaglichter der Wirtschaftspolitik

Monatsbericht 04/2008 PDF: 3,7 MB



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