Die Gruppe der G8
Struktur und Prozess
Wandlungsfähigkeit, Anpassungsvermögen und kurze Verhandlungswege sind sicher wichtige Faktoren für die erfolgreiche Zusammenarbeit der G8. Entscheidend ist jedoch vor allem die politische und wirtschaftliche Durchsetzungsfähigkeit dieser Acht-Nationengruppe.
Die G8 erwirtschaften etwa zwei Drittel des Weltsozialprodukts, sie bestreiten knapp die Hälfte des Welthandels, sie stellen drei Viertel der weltweiten Entwicklungshilfe, und sie sind die größten Beitragszahler in den internationalen Organisationen. Zudem stellen die USA, Russland, das Vereinigte Königreich und Frankreich vier der fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates. Das Konsensprinzip im Kreis der G8 führt dazu, dass ein einmal gefällter Beschluss mit der ganzen Energie der größten Industrienationen der Welt umgesetzt werden kann.
G8-Präsidentschaft
Die Gruppe der Acht ist keine internationale Organisation mit einer eigenen Verwaltung. Es handelt sich um eine informelle Allianz von Nationalstaaten, die auf den gemeinsamen Grundwerten von Freiheit und Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit, Marktwirtschaft und Freihandel Verantwortung für globale Fragen übernimmt. Aufgrund dieser lockeren Strukturen gewinnt die Rolle des G8-Vorsitzenden eine besondere Bedeutung. Der Vorsitz innerhalb der Gruppe der Acht wechselt jedes Jahr am ersten Januar. Die Präsidentschaft hat die gesamte organisatorische und einen Großteil der inhaltlichen Verantwortung für den Gipfel. Sie legt fest, wann und wo sich die Minister und Regierungsbeamten, die sogenannten Sherpas, Sous-Sherpas und Experten, treffen. Insbesondere kann die Präsidentschaft nach eigenem Ermessen Schwerpunkte setzen und Themen auf die Agenda bringen.
Strukturen der G8 - Sherpas, Sous-Sherpas und Expertengruppen
Trotz des ursprünglich informellen Charakters der Zusammenkünfte haben sich mittlerweile Strukturen herausgebildet, die angesichts der immensen Bedeutung der Gipfel für optimale Vorbereitung und Durchführung sorgen.
Eine zentrale Rolle dabei spielen die Sherpas, die persönlichen Beauftragten der Staats- und Regierungschefs. Die G8-Präsidentschaft lädt die Sherpas mehrmals jährlich zu Arbeitstreffen in ihr Land ein, um den Gipfel vor- und nachzubereiten. Den Sherpas arbeiten vier Mitarbeiter eng zu, die sich ebenfalls regelmäßig auf G7- und G8-Ebene treffen. Es handelt sich dabei um die Finanz-Sous-Sherpas, die Außenamts-Sous-Sherpas, die Politischen Direktoren und eine Gruppe hoher Beamter für Fragen der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen (Senior Group). In der Regel handelt es sich bei den Sous-Sherpas um Abteilungsleiter des Auswärtigen Amtes und des Bundesministeriums für Finanzen.
In ihrer Arbeit unterstützt und beraten werden die Staats- und Regierungschefs darüber hinaus von Expertengruppen: Diese werden mit einem kurz- bis mittelfristigen Arbeitsmandat versehen und lösen sich, nachdem sie ihre Aufgaben erfüllt haben. Die Ergebnisse und Empfehlungen der G8-Expertengruppen fließen in die Arbeiten von entsprechenden internationalen Gremien ein.
Ministertreffen
Die Außenminister ebenso wie die Finanzminister spielen im Umfeld des Gipfels eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit den Notenbankchefs treffen sich die Finanzminister, um ihre Finanzpolitiken aufeinander abzustimmen, das internationale Finanzsystem zu stärken und Mechanismen gegen Finanzkrisen zu erarbeiten. Die Finanzminister treffen sich im G7-Format. Zu den Finanzministertreffen im Vorfeld des Weltwirtschaftsgipfels stößt Russland dazu.
Die G8-Außenminister treffen sich jährlich vor dem Gipfel, um aktuelle außenpolitische Herausforderungen aufzugreifen. Im Jahr 2005 wurden unter anderem die Krisen im Nahen Osten, im Sudan und Irak behandelt.
Bis 1990 trafen sich die G8-Staats- und Regierungschefs in Begleitung ihrer Außen- und Finanzminister. Durch die große Teilnehmerzahl verloren die Gipfel den ursprünglichen "Geist von Rambouillet". Bei den Kamingesprächen auf Schloss Rambouillet hatte sich vor allem wegen der kleinen Gruppengröße eine vertrauensvolle Atmosphäre entfalten können. Deshalb trennte die britische Präsidentschaft auf dem Birmingham-Gipfel 1998 die beiden Ministertreffen von dem eigentlichen Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs ab. Dieses Format hat sich bewährt und wird seitdem beibehalten.
In unregelmäßigen Abständen treffen sich darüber hinaus auch andere Fachminister der G8.
Outreach
Meist werden zu den Gipfeln der G8-Staats- und Regierungschefs auch Nichtmitglieder der G8 eingeladen, um den Dialog zwischen der Gruppe der Acht und der übrigen Welt, zu intensivieren (sogenannter "Outreach"). Die Frage, ob ein Outreach stattfindet und wer dazu geladen wird, ist der jeweiligen G8-Präsidentschaft vorbehalten, die zugleich auch die Themen dieses Dialogs festsetzt.
Dialog mit den Schwellenländern
Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Weltwirtschaft haben heute nicht nur die G8 sondern in zunehmenden Maße auch erstarkende Schwellenländer wie Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika. Die G8 sind sich dieser Entwicklung bewusst und suchen den Dialog mit diesen neuen wichtigen Akteuren sowohl auf der wirtschaftlichen wie auch politischen Bühne. Die Form dieses Dialogs hat mit dem Gipfel von Heiligendamm eine neue Dimension erreicht. Waren bislang lediglich einzelne Staats- und Regierungschefs der Schwellenländer als Gäste zum jeweiligen G8-Gipfel hinzu geladen, ist dieser Dialog nun mit dem "Heiligendamm-L'Aquila-Prozess" themenbezogen auf Sherpa-Ebene etabliert und auf eine stärker strukturierte Basis gestellt worden.