Stille Fachkräftereserven im Inland erschließen - Ausländische Qualifikationen transparenter machen
Der wirtschaftliche Aufschwung ist an eine große Herausforderung gekoppelt: Sie heißt Sicherung des Fachkräftebedarfs. Sie wird daher in den nächsten Jahren zur zentralen unternehmerischen und politischen Schlüsselaufgabe werden.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat daher im Sommer 2010 eine Fachkräfteoffensive mit der Wirtschaft ins Leben gerufen. Gemeinsam wollen Politik und Wirtschaft die erforderlichen Maßnahmen, die der Fachkräftesicherung dienen, einleiten und verstärken.
Ein zentrales Handlungsfeld ist die bessere Erschließung des inländischen Beschäftigungspotenzials. In Deutschland sind stille Reserven an Fachkräften vorhanden, die zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland unbedingt erschlossen werden müssen. Hierzu gehören insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund.
Im Jahr 2009 lebten in Deutschland 15,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, das sind 19 Prozent der gesamten Bevölkerung. Von ihnen verfügen mehr als 6 Millionen über einen beruflichen Abschluss aus ihrem Herkunftsland, mit dem sie oft keine ausbildungsadäquate Beschäftigung finden. Aus formalen Gründen oder aufgrund fehlender Verfahren zur Bewertung ihrer tatsächlich erworbenen Kompetenzen werden sie häufig auf Arbeitsplätzen eingesetzt, die ihrem tatsächlichen Qualifikationsniveau nicht entsprechen.
Minister Rösler: "Wir wollen und müssen diese beruflich qualifizierten Menschen möglichst umfassend und nachhaltig in Arbeitsmarkt und Gesellschaft integrieren. Dafür müssen aber die vorhandenen Qualifikationspotenziale transparenter gemacht werden."
Es ist weitgehend politischer Konsens, die Anerkennung und Bewertung ausländischer Qualifikationen in Deutschland zu verbessern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kammern und anderer Organisationen leisten auf diesem Gebiet bereits wertvolle Hilfe in Form gutachterlicher Stellungnahmen und beratender Unterstützung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) will sie hierbei mit der Einrichtung eines Informationsportals für ausländische Berufsqualifikationen unterstützen (siehe Link unter "Weiterführende Informationen").
Das BMWi hat die Notwendigkeit, die zuständigen Stellen bei der Bewertung ausländischer Berufsabschlüsse zu unterstützen, schon frühzeitig erkannt - weit vor den Bestrebungen, einen Anspruch auf ein Bewertungs- oder Anerkennungsverfahren gesetzlich zu verankern.
Minister Rösler: "Der bevorstehende Rechtsanspruch auf ein Bewertungsverfahren macht Unterstützungsmaßnahmen für die Entscheidungsträger umso dringlicher. Wir haben deshalb die erste konkrete Maßnahme des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie im Rahmen der Fachkräfteoffensive eingeleitet: Zur verbesserten Bewertung ausländischer Berufsqualifikationen baut das BMWi im Bereich der beruflichen Bildung ein Informationsportal auf. Mit dem Informationsportal werden alle Entscheidungsträger über die gleichen Informationen verfügen."
Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurden zunächst die Voraussetzungen für die Einrichtung eines solchen Informationsportals und seine mögliche Konzeption untersucht. Die hierzu erforderliche Grundlagenarbeit haben das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) sowie das Beratungsunternehmen IFOK GmbH (Bensheim/Berlin) für das BMWi durchgeführt.
Die zentralen Ergebnisse der Grundlagenarbeit, die Machbarkeit und Konzeption des Informationsportals geprüft hat, wurden im Oktober 2010 der Presse vorgestellt.
Parallel dazu hatte das BMWi eine bundesweite Unternehmensumfrage in Auftrag gegeben. Sie dient dem Ziel, auch die inhaltlichen Anforderungen der Wirtschaft in Bezug auf Bescheinigungen zu ausländischen Berufsqualifikationen festzustellen. Dadurch soll die Akzeptanz der Bescheinigungen sowie die Einstellungsbereitschaft von Migranten bei den Betrieben erhöht werden.
An diese Vorarbeiten schließt sich nun ein auf 3 Jahre angelegtes Pilotprojekt zum konkreten Aufbau des Informationsportals an. Dieses ist eine komplementäre Maßnahme zu der gesetzlichen Regelung des Bewertungs- und Anerkennungsverfahrens ausländischer Qualifikationen und soll insbesondere die Kammern bei der vielfach schwierigen Bewertung solcher Qualifikationen unterstützen und das Verfahren einheitlicher, schneller und transparenter gestalten.
Das Informationsportal wird mehrere Funktionen erfüllen:
Es wird insbesondere die Kammern bei der Bewertung ausländischer Qualifikationen unterstützen.
Dadurch werden Bewertungsverfahren einheitlicher, schneller und transparenter.
Es trägt zur besseren Akzeptanz ausländischer Qualifikationen bei, da es deren Inhalte transparenter macht.
Dies wiederum unterstützt den Prozess einer besseren Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft.
Es ist eine notwendige Maßnahme zu dem geplanten Rechtsanspruch auf ein Bewertungs- und Anerkennungsverfahren.
Minister Rösler: "Die Akzeptanz ausländischer Bildungsabschlüsse muss erhöht werden. Nur so können Fachkräfte mit im Ausland erworbenen Abschlüssen entsprechend ihrem tatsächlichen Ausbildungsniveau Beschäftigung finden. Einheitliche, transparente und schnellere Bewertungs- und Anerkennungsverfahren unterstützen daher die bessere Erschließung des ausländischen Fachkräftepotenzials. BMWi will mit dem Aufbau des Informationsportals einen wichtigen Beitrag hierzu leisten."